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Zirkuspremiere in Iowa

Vorwahlauftakt: Patt zwischen Clinton und Sanders, Cruz vor Trump bei den Republikanern

  • Von Max Böhnel, New York
  • Lesedauer: 3 Min.
Iowa hat gewählt: Der demokratische Sozialist Bernie Sanders zog mit der Mainstream-Kandidatin der Demokraten Hillary Clinton gleich.

Bei den Caucus-Vorwahlen in Iowa, die den parteiinternen Wahlkampf bei den Demokraten und Republikanern zum ersten Mal mit handfesten Zahlen untermauerten, zog der demokratische Sozialist Bernie Sanders mit der Mainstream-Kandidatin der Demokraten Hillary Clinton gleich. Der dritte demokratische Anwärter Martin O’Malley verabschiedete sich noch am Abend wegen seines schlechten Abschneidens von der Bühne.

Bei den Republikanern verdrängte überraschend der rechte Tea-Party-Hardliner Ted Cruz den seit Monaten vorn liegenden, nicht weniger rechtsaußen stehenden Multimilliardär Donald Trump auf Platz zwei. Auf Platz drei, aber nicht abgeschlagen, lag der ebenfalls der Tea Party nahestehende Senator Marco Rubio aus Florida. Das Rennen bei den Republikanern ist damit wieder offen.

Noch in der Nacht zum Dienstag verließ die Wahlkampfkarawane, einschließlich Medien, Iowa im Mittleren Westen und schlug ihre Zelte ganz oben im Nordosten der USA auf. In New Hampshire finden am kommenden Dienstag Vorwahlen statt.

Mit dem hauchdünnen Vorsprung von weniger als einem halben Prozent blieb Hillary Clinton in der Nacht zum Dienstag immerhin die Peinlichkeit einer erneuten Niederlage in Iowa erspart. 2008 war die bekannte Ex-First-Lady dort hinter Barack Obama und John Edwards auf Platz drei gelandet. »Am Iowa-Desaster knapp vorbeigeschlittert« interpretierte das Nachrichtenportal »Daily Beast« (ehemals »Newsweek«) das für Clinton enttäuschende Ergebnis. Bis in den Sommer hinein hatte sie als die »unvermeidliche« und einzig denkbare Kandidatin der Demokraten gegolten. Nun wählte die Hälfte der Parteimitgliedschaft in Iowa gegen sie. Auf das Patt reagierte Hillary Clinton kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse mit der guten Miene zum bösen Spiel. In Beisein ihrer Tochter Chelsea und ihres Mannes, Ex-Präsident Bill Clinton, bedankte sie sich. Sie sei erleichtert und freue sich »auf eine echte Debatte mit Senator Sanders über den besten Weg nach vorn im Kampf für uns und Amerika«.

Das Sanders-Team hatte sich mit einem soliden Wahlkampf an der Basis, geschickten Fernsehauftritten, Großveranstaltungen und Kleinspenden in Rekordausmaßen Schritt für Schritt nach vorne gekämpft. Allein im Januar erhielt Sanders 20 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden. Die gewaltige Gesamtsumme von 95 Millionen Dollar an Spenden, die bisher an den Sozialisten gingen, kommen von 3,25 Millionen Kleinspendern - mehr als doppelt so viele kleine Leute, die Barack Obama 2008 finanziell unterstützten.

Mit Iowa erkämpfte Sanders nicht nur ein Patt in der Demokratischen Partei. Der Wahlerfolg, dem er mit großer Wahrscheinlichkeit einen weiteren am kommenden Dienstagabend in New Hampshire hinzufügen wird, öffnet linke Spielräume innerhalb und außerhalb des gigantischen Partei- und Wahlkampfapparates der Demokraten. Es handele sich um den größten »parteiinternen Aufstand seit Jahrzehnten«, analysierte der linke Medienkritiker Norman Salomon auf der Website »Common Dreams«. Die Revolte könne über ein Beben von links, wie es das letzte Mal die Regenbogenkoalition von Jesse Jackson 1988 auslöste, hinausgehen. Voraussetzung dafür sei, dass USA-Linke und Sanders-Anhänger schon jetzt über die derzeitige Wahlbewegung hinausdenken und ihre Aktivitäten politisch und organisatorisch in eine soziale Bewegung münden lassen.

Clinton wurde nächtlichen Blitzumfragen zufolge mehrheitlich von Frauen, Älteren und Betuchteren gewählt. Sanders stützt sich auf Erst- und Jungwähler, Klein- und Wenigverdiener sowie auf Menschen, die sich »eine Politik links von Barack Obama« wünschen.

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