Also, da fahr’ mer nimmer hin!

Gerhard Polt und die Wellbrüder geben drei »Bayrische Abende« im Berliner Ensemble

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

»Humor ist immer dann, wenn er stattfindet«, sagt der große Philosoph und Humorist Gerhard Polt. Niemand verkörperte bisher auf der Bühne den faschistischen deutschen Kleinbürger und Kleinbauer so perfekt wie er. Ab morgen gastiert der bayrische Gigant mit einem »bayrischen Abend« für drei Tage im Berliner Ensemble.

Der in die Kamera sprechende und direkt den Zuschauer anblickende Mann, ganz offensichtlich ein Miesepeter, guckt säuerlich drein. Er ist sichtlich nicht zufrieden mit den Erlebnissen, die hinter ihm liegen. Und als er zu seinem zweiten Satz anhebt, deutet er mit einem Kopfschütteln und einer nach der Art der beleidigten Leberwurst leicht vorgewölbten Unterlippe an, dass ihm dort, wo er überall war, übel mitgespielt wurde: »Wir hab’n heuer mal eine Weltreise unternommen. Aber i’ sog’s Ihna ganz ehrlich: ...Also... da fahr’ mer nimmer hin.«

Gerhard Polt, der einsame Monolith unter den deutschsprachigen Bühnenkomikern und -schauspielern, verkörpert in seinen Rollen nicht selten den engstirnig-vernagelten bayrisch-deutschen Klein- oder Großbürger, in dessen Hirn und Unterbewusstem man das ganze unappetitliche deutsche Gebräu aus halbverdautem faschistischem Ordungs- und Größenwahn, Minderwertigkeitskomplexen, unterdrückten Trieben, X...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.