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Dagur Sigurdsson bleibt dem Handball treu - noch

Der Fußball hemmt die Entwicklung anderer Sportarten. Das schwierige Verhältnis hat vor allem der DFB manches Mal noch verschärft

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Trainer Dagur Sigurdsson hat die deutschen Handballer zum EM-Sieg geführt. Die große Verlockung Fußball reizt auch ihn: Immerhin war er in jungen Jahren sogar Junioren-Nationalspieler in seiner Heimat Island.

Bob Hanning wird froh sein. Glücklich ist der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes nach dem Titelgewinn der Männer bei der EM in Polen sowieso. Auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten, als die Mannschaft am Montag in der Berliner Max-Schmeling-Halle von 10 000 Fans empfangen wurde, zeigte Hanning eines der strahlendsten Lächeln im DHB-Tross.

Für einen kurzen Moment könnten Hanning am Dienstag die Gesichtszüge entglitten sein. Fußballtrainer? »Ja, ich hab das früher sogar öfter überlegt. Dann aber nicht konsequent zu Ende gedacht«, hatte Dagur Sigurdsson gesagt. Und: »Ich denke, dass ich das könnte.« Der Handball-Bundestrainer, den Hanning zur Nationalmannschaft holte und mit dem er zuvor schon sehr erfolgreich bei den Füchsen Berlin zusammengearbeitet hat, könnte das bestimmt. Sigurdsson hatte sich in jungen Jahren als Fußballer schließlich bis in die isländische Junioren-Nationalmannschaft gespielt.

Irgendein Fußballfunktionär wird bestimmt aufgehorcht haben. Und dass der Fußball gern auch mal in anderen Sportarten wildert, ist ja nichts Neues. Vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bedient sich gern, vorzugsweise bei den erfolgreichen Hockeyspielern. Als Jürgen Klinsmann das Fußball-Nationalteam übernahm, war Bernhard Peters sein Wunschkandidat für den Posten des DFB-Sportdirektors. Letztlich landete der Hockey-Bundestrainer 2006 dann bei 1899 Hoffenheim. »Ich muss ganz eindeutig sagen, dass es bei solch einer Personalie schon ein Zeichen aus dem Präsidium an unser Präsidium geben muss.« Das sagte Wolfgang Hillmann im November 2015. Der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes kritisierte die Abwerbung des Bundestrainers Markus Weise durch den DFB - sowie das Wie und Wann. Mitten in der Olympiavorbereitung wechselte Weise dann am 1. Dezember nach Frankfurt am Main, um dort die neue DFB-Akademie aufzubauen. Als »nicht partnerschaftlich« empfand Hillmann die Tatsache, dass er vom DFB nicht über dessen Absicht informiert wurde.

Bob Hanning kann froh sein. Einerseits hat der DFB mit Joachim Löw einen hervorragenden Bundestrainer und ist auch darüber hinaus ganz gut aufgestellt. Anderseits hat Dagur Sigurdsson anscheinend nicht die Absicht, die Bälle zu tauschen. »Wir arbeiten alle auf das Ziel Olympia 2020 hin«, sagte der Bundestrainer.

Während sich der Fußball fast unabhängig von Ergebnissen zumindest gleichbleibend großer Beliebtheit erfreut, sind für andere Sportarten große Erfolge, wie der EM-Sieg der Handballer, enorm wichtig für ihre Entwicklung. Um Nachwuchs und Fans zu gewinnen und anhaltend zu begeistern. Und um Einnahmen zu erzielen. In der vergangenen Saison machte die Handball-Bundesliga einen Umsatz von 96 Millionen Euro - die wohl beste Liga der Welt, in der an jedem Wochenende Weltstars spielen. Fast 50 Millionen Euro mehr setzte die 3. Fußball-Liga um!

Nach dem Triumph der Handballer forderte DOSB-Chef Michael Vesper von ARD und ZDF mehr Engagement: »Dass sie dieses Turnier übertragen haben, war kein Samaritertum gegenüber dem Handball, sondern eine Win-Win-Situation.« Nun gelte es, »dies im Hinterkopf zu behalten.« Für die Rechte an der Fußball-Bundesliga zahlen ARD und ZDF zusammen jährlich rund 130 Millionen Euro.

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