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Olympia für die Kleinsten

In Lillehammer werden ab Samstag die Medaillen der 2. Winterjugendspiele vergeben. Nicht alle sind begeistert

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1100 Jugendliche aus 71 Ländern messen sich im norwegischen Lillehammer bei den »Youth Olympic Games«. Die jungen Athleten erfreuen sich am Miniolympia, vereinzelt ist Kritik zu vernehmen.

Es ist nicht so einfach für die Wintersportler dieser Tage. Nicht nur, dass vielen von ihnen der Untergrund abhanden kommt, auf dem sie ihre Wettkämpfe vollführen - jüngst erschreckte die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zum Thema Klimawandel, nach der im Wintersportland Deutschland demnächst nur noch jedes zehnte Skigebiet schneesicher sein wird.

In vielen klassischen Wintersportgegenden entschieden sich zuletzt auch Einheimische gegen klassischen Wintersport: in München und Garmisch-Partenkirchen, in Graubünden (Schweiz) und Stockholm sagten die Bürger Nein zu Olympia, und auch in Oslo winkte die Regierung, die eine Olympiakandidatur für Winterspiele 2022 erwogen hatte, letztendlich ab. Zu viele schwarze Limousinen, zu teure Bauten, zu wenig Transparenz - Olympia ist schwer vermittelbar.

Ziemlich begeistert hingegen lassen sich die Norweger dieser Tage auf die »Youth Olympic Games« ein: die Olympischen Winterjugendspiele, die am Freitagabend in Lillehammer eröffnet werden sollten. Die staatliche Fernsehgesellschaft NRK wird live von den Spielen berichten, natürlich auch, wenn in Lillehammer die Flamme der Spiele entzündet wird - von Prinzessin Ingrid Alexandra, der zwölfjährigen Tochter des Kronprinzen Haakon.

Der Thronfolger selbst hatte 1994 in Lillehammer das Olympische Feuer entzünden dürfen, das dann 16 Tage lang in der 27 000-Einwohner-Stadt im Gudbrandstal loderte. Die Lillehammer-Spiele gelten als die letzten, die ohne heutigen olympischen Größenwahn auskamen: ohne Funktionärs-Prunk, Dopingskandale und TV-Gigantismus. Stattdessen bot Lillehammer 1994 begeisterte, fachkundige Zuschauer, die sich selbst am Eisschnelllauf noch ergötzen konnten.

An diesen vermeintlich »wahren olympischen Geist« von 1994 sollen die Jugendspiele 2016 nach dem Willen der Veranstalter anknüpfen. Das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg verweist in der Zeitung »Aftenposten« stolz auf die Tatsache, das 75 IOC-Mitglieder Lillehammer besuchen wollen, darunter IOC-Präsident Thomas Bach. »Natürlich wollen sich manche IOC-Besucher ein wenig an 1994 erinnern«, sagt Heiberg: »Aber hier wird es keine VIP-Limousinen geben. Sie werden mit Bussen umher fahren und sich Olympische Jugendspiele ansehen, die 300 Millionen Kronen gekostet haben.«

Das sind umgerechnet 30 Millionen Euro für ein zehntägiges Sportfest mit 1100 Nachwuchssportlerinnen und -sportlern. Angesichts der Ausgaben für das große Olympia nimmt sich das vorbildhaft aus: Für die Winterspiele von Sotschi 2014 mit 2861 Startern soll Russland nach Schätzungen bis zu 44 Milliarden Euro ausgegeben haben. Nichtsdestotrotz hält Heibergs kanadischer IOC-Kollege Dick Pound die Jugendspiele für Geldverschwendung, das tut er bereits seit den ersten Sommerspielen 2010 - seitdem behauptet wird, die Jugendspiele würden die computer- und internetbesessene Jugend zurück zum olympischen Sport führen. »Für 1100 sehr feine junge Menschen wird es ein toller Winter werden«, sagt der ehemalige Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur der norwegischen Zeitung »VG« über Lillehammer 2016: »Aber wie soll es jemanden von der Couch locken? Niemand wird wegen der Spiele das iPad weglegen und in die Natur gehen.« Jugendspiele seien Geldverschwendung: jeder, der dort starte, gehöre bereits zu den aktiven Jugendlichen.

Für die Deutschen sollte bei der Eröffnung am Freitagabend die 17-jährige Dresdener Shorttrackerin Anna Seidel die Fahne ins Skisprungstadion an der Lysgårds-Schanze tragen. 44 Starterinnen und Starter hat der DOSB nominiert. »Wir schicken die Besten der einzelnen Sportarten nach Norwegen«, sagt Dirk Schimmelpfenning, DOSB-Leistungssportdirektor und Chef de Mission. Der Leistungssportgedanke sei wichtig und hilfreich.

Skispringer Andreas Wellinger gewann 2012 Gold in Innsbruck, zwei Jahre später holte er Teamgold bei Olympia in Sotschi. Horst Hüttel, Sportlicher Leiter der deutschen Skispringer und Kombinierer beim Deutschen Skiverband, beschreibt seine Haltung zu den Spielen dennoch als ambivalent. »Es ist ein fantastisches Erlebnis für alle Beteiligten, die Sportler lernen wahnsinnig viel und auch die Wettbewerbe sind altersentsprechend organisiert«, sagt Hüttel. »Aber das pro Sportart und Nation nur einer starten darf, macht vieles kaputt. Wie sollen wir den Eltern erklären, dass bei den ›großen‹ Olympischen Spielen fünf Athleten mitfahren dürfen, aber im Nachwuchs bei den Jugendspielen, wo ja in der Breite gefördert werden soll, nur einer dabei ist? Das versteht niemand, weder an der Basis bei uns, noch in anderen Ländern, wie ich von Kollegen weiß. Hier muss sich das IOC etwas einfallen lassen.«

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