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Geplante Obsoleszenz »nicht nachweisbar«

Umweltbundesamt: Hersteller bauen nicht bewusst Schwachstellen in Produkte ein

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Eine Studie des Umweltbundesamts behauptet: Eine geplante Obsoleszenz, der bewusste Einbau von Schwachstellen in Produkte, sei nicht nachweisbar. Das sehen einige Experten jedoch anders.

Produkte wie Waschmaschinen, Fernseher und Smartphones werden in Deutschland immer kürzer genutzt, was aus ökologischer Sicht »nicht hinnehmbar« ist. So lautet das Fazit einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die am Montag veröffentlicht wurde. Denn so würden Rohstoffe und Energie verschwendet. Für dieses Phänomen sei ein »hochkomplexes Muster« aus Gründen verantwortlich. Eine »geplante Obsoleszenz«, also eine »gezielte kurze Produktlebensdauer, die die Hersteller mittels eingebauter Mängel erzeugen«, sei hingegen »nicht nachweisbar«.

Das ist das zweite Ergebnis der Studie »Strategien gegen Obsoleszenz«. In der fünfzehnseitigen Zusammenfassung verspotten die Autoren, überwiegend Mitarbeiter des Öko-Instituts Freiburg, gar entsprechende »Verschwörungs«-Theorien, in denen die Hersteller »Täter« seien und die Kunden »Opfer« von »Manipulation«. Zwar planten die Hersteller die Lebensdauer ihrer Produkte als »integrativer Teil von Produktpolitik«. Das Kernprinzip: Produkte sollen so lange wie nötig, nicht so lange wie möglich halten. Doch ein beträchtlicher Anteil aller Elektro- und Elektronikgeräte werde ersetzt, obwohl die Ware noch gut funktioniere. Kaufentscheidend sei hier meist der Wunsch nach einem besseren Gerät. Entsprechend werde das Gros der Geräte designt.

Generell beeinflussen Konsummuster und Produktentwicklung sich gegenseitig, so die UBA-Studie. Vorzeitige Alterung von Produkten basiere auch auf »psychologischer Obsoleszenz«, also Moden und Trends. Zwei von drei Nutzern ersetzen ihr Smartphone innerhalb der ersten drei Jahre. Bei Notebooks sank die Nutzungsdauer binnen fünf Jahren von 5,7 auf 5,1 Jahre. Dabei sei aus den Daten nicht ableitbar, dass Notebooks »signifikant früher kaputt gehen«.

Die Autoren glauben, »Paradebeispiele« für eine geplante Obsoleszenz widerlegen zu können: Laut der Studie sind etwa in Waschmaschinen Laugenbehälter aus Kunststoff billiger, geräuschärmer und unempfindlicher gegen Korrosion - und damit sinnvoller als solche aus Edelstahl. Kritikern gelten sie hingegen als weniger belastbar. Sie fürchten teure Reparaturen oder einen wirtschaftlichen Totalschaden.

»Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken - eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elek- tronikgeräte«, forderte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Doch es sei genauso wichtig, »dass Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte länger nutzen«.

Dass Produkte vor ihrer Zeit verschleißen und unbrauchbar werden und dies Ergebnis einer bewussten Strategie der Hersteller ist, scheint fest im Alltagsdiskurs verankert. Die »Arte«-Dokumentation »Kaufen für die Müllhalde« lieferte vor sechs Jahren eine Fülle von Beispielen.

Auch das ökosozialistischer Umtriebe unverdächtige »Handelsblatt« konstatierte, »Murks« sei »Verkaufsprogramm«. Selbst Waschmaschinen würden zu Wegwerfartikeln. Der Betriebswirt Stefan Schridde sammelt auf seiner Webseite »Murks, nein danke!« Beispiele für unnötig kurzlebige Produkte. In Frankreich können Hersteller gar für »obsolescence programmée« bestraft werden. Die absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten gilt im Nachbarland als Betrugsdelikt.

»Bei fast jedem Test ist Murks dabei«, konstatierte die Stiftung Warentest 2013. Doch die eigenen Messungen lieferten keinen Hinweis, dass Kunden bewusst übers Ohr gehauen würden. Billige Geräte indes seien »oft schneller Schrott als teure«. Demnach ist es nicht ratsam, Akku-Bohrer für unter 50 und Waschmaschinen für unter 700 Euro zu kaufen.

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