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Ansturm auf Sozialkaufhäuser

Läden für Bedürftige sind gefragt wie lange nicht - ein Bericht aus Schleswig-Holstein

Die »Kaufhäuser für Arme« der AWO im südlichen Schleswig-Holstein kombinieren soziale Projekte mit dem Recyclinggedanken. Doch es gibt immer mehr Bedürftige und langsam werden die Waren knapp.

Itzehoe. Kinderspielzeug, gut erhaltene Möbel, Haushaltsgegenstände, und Kleidung - die Angebotspalette im Itzehoer Sozialkaufhaus ist breit gefächert. Und unschlagbar günstig. Kochtöpfe gibt es schon ab 25 Cent, einen Küchentisch kann man für zehn Euro bekommen, und für Sofas zahlt man pro Sitzplatz: Je nach Zustand und Ausführung kostet ein Sitzplatz zwischen 15 und 45 Euro.

»Unser Kaufhaus ist für die Menschen da, die am Rande der Gesellschaft leben«, sagt Geschäftsführer Martin Meers. »Weil sie wenig Geld haben, weil sie krank sind, oder weil sie - wie zurzeit der Fall - als Flüchtlinge zu uns kommen.«

Seit rund 20 Jahren betreibt die Arbeiterwohlfahrt Bildung und Arbeit (AWO BA) im südlichen Schleswig-Holstein Sozialkaufhäuser. Die insgesamt 18 »Kaufhäuser für Arme« kombinieren soziale Projekte mit dem Recyclinggedanken. Dort werden gespendete Möbel, Kleidung und Haushaltsgegenstände aufgearbeitet und günstig an Bedürftige verkauft. »Wir treten immer mit dem Grundsatz der Müllvermeidung an: Alles was bei uns landet und verwertbar ist, bleibt sozusagen im Nutzungskreislauf«, erklärt Meers.

Dafür werde neben der Textilienaufbereitung auch ein intensives Möbelrecycling betrieben, so der Geschäftsführer. Dazu gehöre unter anderem das Abholen und die Aufarbeitung von gebrauchten, gespendeten Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen.

Bei dieser Arbeit werden neben haupt- und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern auch Langzeitarbeitslose eingesetzt. »Wir versuchen, sie zu stabilisieren und wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern«, sagt AWO BA-Sprecher Dieter Kienitz: »Weil wir gleichzeitig Menschen, die in einer Notlage sind, mit günstigen Dingen versorgen, kommt den Sozialkaufhäusern eine doppelte soziale Bedeutung zu. Die Menschen, die zu uns kommen, besitzen oft nicht einmal das Allernotwendigste.« In den Sozialkaufhäusern, so Kienitz, würden daher »Erstausstattungs-Kisten« zusammengestellt: »Für einen Erstbezug nach Hartz IV oder die Einrichtung einer Flüchtlingswohnung.«

Mittlerweile finden immer mehr Kunden den Weg in ein Sozialkaufhaus. Einer der Gründe sind die Willkommensgutscheine in Höhe von jeweils 15 Euro, die über die Ämter und Anlaufstellen in Schleswig-Holstein überwiegend an Flüchtlingsfamilien ausgegeben wurden, sagt Kienitz. Für diesen Betrag könne man sich im Sozialkaufhaus einmal von Kopf bis Fuß einkleiden. »Landesweit wurden etwa 7900 Gutscheine ausgeteilt.«

Der Ansturm zeigt jedoch Folgen: Die Lager sind fast leer. »In unseren Sozialkaufhäusern brauchen wir dringend warme Kleidung, aber auch T-Shirts, Hosen, Pullover und vieles mehr«, beschreibt Projektleiterin Monika Horst die Situation. Besonders Kinderbekleidung sei mittlerweile Mangelware. dpa/nd

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