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60 000 neue Wohnungen für die Hauptstadt bis 2026

Landeseigene Unternehmen in Berlin investieren eine Milliarde Euro in neue Quartiere

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310 000 Wohnungen verwalten die landeseigenen Gesellschaften in Berlin. In zehn Jahren sollen es 400 000 sein. Mit Neubau und Kauf soll der Zuwachs bewältigt werden.

Viele rote und gelbe Häuschen auf dem Berliner Stadtgrundriss symbolisieren die neue Bauwut der sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen. Dabei sind nur die Projekte für 34 000 Wohnungen in der Übersicht verzeichnet, die bereits in Planung oder Bau sind. Insgesamt wollen Degewo, Howoge und Co. in den nächsten zehn Jahren 60 000 Wohnungen in der Stadt errichten und dafür bis zu einer Milliarde Euro investieren. Wie sie das schaffen wollen, haben sie schon mal in einem Buch zusammengefasst, das sie am Montag Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) übergaben. Titel: »Wir bauen für Berlin«.

Geisel lobte sie denn schon mal als »Motor des bezahlbaren Wohnungsbaus«. Bisher hätten private Bauherren vor allem Eigentums- und hochpreisige Wohnungen errichtet, jetzt zeigten die landeseigenen, dass es auch anders geht. Im vergangenen Jahr stellten sie über 1000 Wohnungen fertig, für dieses Jahr erwartet Geisel, dass rund 10 000 in Bau sind oder fertig werden.

Howoge-Chefin Stefanie Frensch erinnerte daran, dass die Unternehmen erst vor vier Jahren wieder begannen, sich mit Neubau zu beschäftigen. »Damals waren wir Exoten unter den Projektentwicklern und Bauträgern, heute sind wir die größten in Berlin und wahrscheinlich in Deutschland.« Mit 310 000 Wohnungen verfügen die sechs Unternehmen derzeit über 20 Prozent des Berliner Bestandes, bis 2026 sollen es einschließlich Zukauf 400 000 Wohnungen sein.

In ihrem Buch der guten Taten stellen sich die Firmen vor allem als »Vorreiter des bezahlbaren Wohnens« dar. Etwa 40 Prozent aller neu vermieteten Wohnungen wurden an Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen (WBS) vergeben. Damit konnte allerdings nicht mal der Durchschnitt der Berliner Mieterschaft versorgt werden, da etwa 55 Prozent der Einwohner Anspruch auf einen WBS haben. Erst im neuen, vom Bündnis Mietenvolksentscheid erzwungenen Wohnraumversorgungsgesetz, wird diese Vergabequote festgeschrieben. Ein Drittel der neuen Wohnungen soll vom Land gefördert und zu Mieten um 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

In der Broschüre sind die Gebäudestandards definiert, nach denen die Unternehmen preiswerte Wohnungen bauen wollen. Geplant würden vor allem kleinere Wohnungen, so Frensch. Die Zwei-Zimmer-Wohnungen geraten so nicht mal 60 Quadratmeter groß. »Jeder Quadratmeter, der ohne Abstriche an die Nutzungsqualität eingespart werden kann, senkt die Baukosten«, konstatierte die Howoge-Chefin. Es sei auch günstiger, über ein Treppenhaus fünf Wohnungen zu erschließen als zwei.
Beim Thema günstiges Bauen haben die Wohnungsbaugesellschaften auch die Vorteile des Fertigteilbaus wiederentdeckt.

Was früher Plattenbau hieß, nennen Geisel und Frensch jetzt »serielles Bauen mit Beton« oder auch »modulares Bauen«. Damit wäre man auch vom Wetter unabhängiger. Im Winter könnten die Elemente vorgefertigt werden, und in der wärmeren Jahreszeit ginge das Aufstellen dann schneller. Den Vorwurf, dass auf diese Weise eintönige und langweilige Viertel entstehen würden, wies Frensch zurück. Auch mit modularen Elementen ließen sich gute Architektur und interessante Wohnungen schaffen. »Wenn wir überall individuelle Lösungen suchen und dann überrascht sind, dass die Wohnungen nicht bezahlbar sind, stimmt was nicht«, so der Stadtentwicklungssenator. Laut Broschüre liegen die Baukosten (ohne Grundstück) der städtischen Unternehmen derzeit bei 2094 Euro pro Quadratmeter, während im Bundesdurchschnitt 2325 Euro aufgewandt werden.

Andreas Otto, Bauexperte der Grünen, wertete die Broschüre als Wahlkampfbeitrag. »Der Senat will im Wahljahr mit großen Zahlen glänzen.« Es handele sich im Wesentlichen um Neubauten auf der grünen Wiese. Der Senat ignoriere, dass sich durch Dachgeschossausbau, Umnutzung nicht gebrauchter Gewerbeobjekte und Bebauung leer stehender Industriehöfe 80 000 Wohnungen errichten ließen.

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