Werbung

Pegida feiert Clausnitz-Mob

Festerling diffamiert Flüchtlinge als »skrupellose Invasoren« und lobt Krawalle gegen Asylbewerber als »Mut der Bürger« / Petry: In Clausnitz auch AfD-Mitglieder dabei / Erstmals seit Jahren sinkt Touristenzahl in Dresden

Berlin. Bei einem Aufmarsch der rechten Pegida-Bewegung in Dresden ist am Montagabend der rechte Mob von Clausnitz gefeiert worden. Die Krawalle gegen Flüchtlinge wurden von Pegida-Anführerin Tatjana Festerling als »Mut der Bürger« gepriesen. Von den Mitläufern wurde dies mit »Clausnitz«-Rufen und Beifall quittiert. Festerling diffamierte Flüchtlinge als »skrupellose Invasoren« und unterstellte ihnen, Kindertränen zu instrumentalisieren. Bei der Ankunft von Asylbewerbern in Clausnitz hatten Dutzende Menschen aggressiv gegen die in einem Bus sitzenden Menschen Front gemacht. Die Polizei hatte die in den Bus verängstigt sitzenden Flüchtlinge teils gewaltsam aus dem Fahrzeug gebracht, auf Videoaufnahmen davon sind weinende Kinder und Frauen zu sehen.

Festerling unterstellte, diese Tränen seien nicht echt: »Wer gerade angeblich schwerst traumatisiert aus Kriegszonen kommt, wird mit Menschen, die ›Wir sind das Volk rufen‹, locker fertig«. Nach Angaben der Forschungsgruppe durchgezählt waren 2500 bis 3000 Anhänger erschienen. In der Vorwoche lag die Zahl bei 3.200 bis 4.300. Begleitet wurden der Aufmarsch und die anschließende Kundgebung wieder von Rufen wie »Lügenpresse, Lügenpresse«, »Merkel muss weg« und »Macht die Grenzen dicht« oder »Widerstand, Widerstand«. Hinter dem Rednerpult war zu lesen »Stoppt die Islamisierung Europas!«.

Zu Protesten gegen den rechten Aufmarsch kamen ungeachtet der bundesweiten Empörung über die Ausschreitungen der vergangenen Tage in Clausnitz und in Bautzen, wo eine johlende Menge den Brand eines geplanten Asylheims beklatscht hatte, nicht mehr Teilnehmer als sonst. Rund 300 bis 350 Teilnehmer protestierten gegen den Pegida-Aufmarsch.

Derweil hat die Bundesvorsitzende der Rechtsaußen-Partei AfD, Frauke Petry, erklärt, dass bei den Krawallen im sächsischen Clausnitz auch AfD-Mitglieder beteiligt waren. »Es ärgert mich, dass so etwas in Sachsen passiert, zumal wenn eigene Mitglieder beteiligt sind«, sagte Petry. Dass AfD-Mitglieder die Krawalle organisiert hätten, wies sie aber als »Gerüchte« zurück. »Wir glauben, dass Protest notwendig ist, aber nicht gegen Personen, die nach Deutschland einreisen, sondern gegen diejenigen, die diese Migrationspolitik zu verantworten haben«, sagte Petry.

»Pegida-Effekt« - Weniger Touristen kommen nach Dresden

Unterdessen ist erstmals nach sechs Jahren die Zahl der Touristen in Dresden zurückgegangen. Im vergangenen Jahr gingen die Übernachtungen um 3 Prozent zurück, bei den Ankünften gab es ein Minus von 2,3 Prozent. Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG), sprach am Dienstag von einem »Pegida-Effekt« und einem Imageverlust für die sächsische Landeshauptstadt. Das habe auch eine repräsentative Markenstudie gezeigt. Der macht sich derzeit noch stärker bei Besuchern aus Deutschland bemerkbar: 2015 sank die Zahl ihrer Übernachtungen um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen. Agenturen/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung