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Frauen werden ihre Rechte gegen Erdogan verteidigen

Deniz Gamze Ergüven über die Emanzipationsgeschichte »Mustang«

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.
Deniz Gamze Ergüven wuchs als Tochter eines Diplomaten in Ankara, den USA und Frankreich auf, wo sie Film studierte. Ihr Debüt »Mustang« feierte bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere.

Verstehen Sie sich selbst als türkische Regisseurin?
Im vergangenen Jahr lebte ich in Frankreich, zuvor sieben Monate in der Türkei, wo ich jetzt mit meiner Familie heimisch werden will. Künstlerisch sehe ich mich als Teil einer jungen Generation von Filmemachern, die ohne Schranken weltweit ihre Geschichten findet. Nach den Premieren des Films kamen weltweit Menschen auf mich zu, die die Gefühle der Mädchen verstehen und teilen, die ihre Liebe zur Freiheit und den Traum von einem selbstbestimmten Leben und die Rebellion gegen konventionelle Schranken verstehen.

Die Filmwelt diskutiert über die Benachteiligung von Frauen in der Regie. Haben es Frauen schwerer als Männer, sich durchzusetzen?
Frauen scheuen sich, überhaupt den Beruf zu ergreifen. Sie sind während des Studiums in der Minderheit und auch in meinem Kurs des Nachwuchsförderprogramms in Frankreich war ich die einzige Frau. Deshalb fiel es mir im Vergleich zu meinen Kommilitonen schwer, meinen Fähigkeiten zu vertrauen. Am Set besitzt der Regisseur zunächst eine natürliche Autorität, die er oder sie ausfüllen muss. Sonst verliert man das Vertrauen. Mich haben nach ein paar Tagen alle akzeptiert. Nur einmal dachte ich, hier entsteht ein Konflikt, weil ich eine Frau bin. Einem Schauspieler mangelte es an Respekt.

Was sprach dafür, das Thema in leichtem Ton anzugehen?
Ich kann ohne Lachen nicht leben. Ich nutzte Humor und Leichtigkeit, um eine Distanz zwischen dem wirklichen Leben und dem Naturalismus einerseits und der märchenhaften Geschichte aufzubauen. Und um den Mut zu unterstreichen, mit dem die Mädchen das Leben anpacken.

Hat Ihr Film autobiografische Züge?
Der entscheidende Impuls stammt von einer Journalistin, deren Mutter mit 14 Jahren verheiratet wurde. Ich dachte zunächst, wie altmodisch, Weil ich als Kind bereits das Gefühl hatte, dass Frauen die gesellschaftlichen Schranken leicht einreißen können. Doch die Tradition der Brautschau durch die Familie ist in der Türkei weit verbreitet.

Lebt diese Tradition nur auf dem Land weiter?
Der geografische und soziale Gegensatz zwischen dem Land und Istanbul ist nicht zu leugnen, doch er schwindet. Nur die Alten bleiben in den Dörfern zurück. Dafür leben heute in den Städten sehr viele konservative Menschen. Die Geschichte der fünf Mädchen könnte sich daher ähnlich in einer Großstadt abspielen. Die Überwindung der Entfernung zwischen dem Dorf, in dem die Mädchen leben, und Istanbul ist nur eine weitere Hürde, die die Mädchen von ihrem Traum eines selbstbestimmten Lebens trennt.

Warum haben Sie fünf Schicksale gewählt?
Das Quintett ist wie ein Körper mit fünf Köpfen. Die Zahl schälte sich schnell heraus, als ich mich fragte, welche Nuancen ich in die verschiedenen Schicksale packen will und welche Gefühle ich erzählen will.

Europa fürchtet einen Rechtsruck in der Türkei. Was könnte dies für die Gleichberechtigung bedeuten?In der Türkei leben viele moderne, weltoffene Frauen in einer Gesellschaft, die sich im Zickzackkurs entwickelt. Die Wahlen im Juni 2015 haben bei vielen Menschen in Istanbul ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Jetzt sind wir enttäuscht. Erdogan und seine konservative Partei will die Rechte von Frauen einschränken und Werte verändern. Er kritisiert zum Beispiel, dass Mädchen und Jungen die gleiche Schule besuchen und gemeinsam studieren. Dagegen regt sich Widerstand, Frauen werden ihre Rechte verteidigen.

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