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Manpower gefragt

Am gestrigen Montag fand der erste Equal Care Day in Deutschland statt / Aktivisten, Politikerinnen und Künsterinnen forderten mehr Wertschätzung und faire Verteilung der fürsorgenden Tätigkeiten

Warum findet die Schwester des Equal-Pay-Days (19. März) nur in Schaltjahren statt? Weil Männer in Deutschland durchschnittlich in vier Jahren die gleiche Care-Arbeit wie Frauen in nur einem Jahr.

Am heutigen Montag findet der erste »Equal Care Day« in Deutschland statt. An diesem Tag soll für mehr Wertschätzung der fürsorgenden Arbeiten geworben und deren fairere Verteilung geworben werden. Der Care-Begriff hat sich im Verlauf der 90er Jahre im englischsprachigen Raum entwickelt. Er setzt an politische und wissenschaftliche Diskussionen um die Reproduktionsarbeit an. »Care« schließt jedoch mehr Tätigkeiten ein, als der marxistisch geprägte Begriff der Reproduktionsarbeit. Neben bezahlter und unbezahlter Haus- und Erziehungsarbeit gehören zu »Care« auch die Bereiche Gesundheit, Erziehung und Bildung, die persönliche Assistenz (für Behinderte) und die Sexarbeit.

Doch die neue Schale ändert nichts daran, dass die fürsorglichen Arbeiten nach wie vor überwiegend von Frauen bestritten werden. Angemessene Löhne und ausreichend Anerkennung fehlen nach wie vor in diesem Bereich. Um auf das Missverhältnis 4:1 hinzuweisen, kamen die Initiatoren des »Equal Care Days« auf die Idee, den Aktionstag nur im Schaltjahr stattfinden zu lassen: Frauen leisten statistisch betrachtet viermal so viel Fürsorge wie Männer. Der Sektor spielt in Deutschland eine wichtige Rolle: Jeder fünfte Beschäftigte ist hierzulande im Care-Sektor tätig, also in den Bereichen Erziehung, Bildung, Gesundheits- und Sozialwesen und häusliche Dienstleistungen. Ohne Absicherung durch Erbe, Ehe oder das Glück eines Lottogewinns führt der Weg der meisten dort Tätigen in die sichere Altersarmut.

Künstlerinnen wie die Sängerin Judith Holofernes, die Schriftstellerin Sibylle Berg und der Cartoonist Till Lassmann unterstützen den Aktionstag. Die Vorsitzende der Linkspartei Katja Kipping versucht selbst Familie und Beruf zu vereinbaren und teilt die Betreuung ihrer Tochter halbe-halbe mit ihrem Partner. Nachdem sie selbst Mutter wurde, sei ihr bewusst geworden, dass Leute, die 90 Stunden und mehr in der Woche arbeiten – sich rein rechnerisch vor Hausarbeit und Fürsorge drücken müssen. Sie findet das kritikwürdig und unterstützt den Equal Care Day: »Es bedarf einer radikalen Umverteilung der Tätigkeiten auch zwischen den Geschlechtern. Frauen und Männer brauchen gleichermaßen Zeit für Familie, Erwerbsarbeit, politische Teilhabe und Muße.«

Franziska Brantner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Grünen im Bundestag, nutzt den Anlass des »Equal Care Days«, um ein neues grünes Modell des Elterngeldes zu bewerben. Die von Brantner favorisierte Idee des »KinderZeitPlus« knüpft an das jetzige Elterngeld-Modell an, fördert aber die gleichmäßige Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen Mutter und Vater. Teilen sich die Eltern die Betreuung ihres Kindes gleichmäßig, wird jedes Elternteil jeweils mit einem Partnerschaftsbonus in Form von vier zusätzlichen Elterngeld-Monaten belohnt.

In der Vergangenheit hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung zudem zwei Konferenzen zum Thema organisiert. »Wie können sich Beschäftigte auch unter prekären Bedingungen erfolgreich organisieren? Mit welchen Strategien kann die gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung um das «Care»-Thema angefacht werden?«, lauteten die zentralen Fragen. Dort entstand im März 2014 auch das Bündnis »Care Revolution«. ker

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