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Hoffen auf ein Bleiberecht für den Coach

  • Von Georg-Stefan Russew
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dem Co-Trainer der Flüchtlingsmannschaft »Welcome United« droht die Abschiebung. Selbst Prominente fordern ein Bleiberecht für den Mazedonier.

Die Wanduhr in seiner Wohnung in Potsdam tickt leise vor sich hin. Zahirat Juseinov scheint bei jedem Klick-Klack zusammenzuzucken. Die Nerven liegen bei ihm und seiner Familie blank. In wenigen Stunden muss der Co-Trainer des Vorzeige-Flüchtlingsprojekts »Welcome United 03« in der Ausländerbehörde erscheinen. An diesem Dienstag geht es dabei um die sofortige Ausweisung der Familie aus Deutschland.

»Mir geht es wirklich schlecht. Ich habe seit Tagen nicht geschlafen«, gesteht der 35-Jährige, den alle nur Hassan rufen. Nur der Fußball und der Zuspruch seines Clubs, SV Babelsberg 03, halten ihn über Wasser. »Ansonsten habe ich wirkliche, echte Angst.«

Seine Freundin Emel und er gehören der Volksgruppe der Roma an. »Wir Sinti und Roma sind in Mazedonien und auf dem ganzen Balkan rechtlos und müssen dort - von der Bevölkerung verachtet - unter dem Existenzminimum leben«, berichtet er Trainer. »Ich verstehe nicht, warum Mazedonien für uns Sinti und Roma ein sicheres Herkunftsland sein soll.«

2010 flüchtete er mit seiner Freundin und seinen damals drei Kindern nach Potsdam. Heute ist die Familie zu sechst und lebt mit Baby Ayschegün, das vor drei Monaten hier zur Welt kam, in einer eigenen Wohnung. Über den Fußball hat Hassan schnell in Potsdam Fuß gefasst. »Damals kam jemand von Babelsberg ins Flüchtlingsheim und hat uns zum Fußballspielen mitgenommen. Seitdem bin ich hier vollintegriert.«

Als Babelsberg-Anhänger gemeinsam mit dem Verein eine Flüchtlings-Fußballmannschaft ins Leben riefen, war er sofort dabei. »Ich spreche sechs Sprachen, habe mich sofort um die Jungs gekümmert, die aus aller Herren Länder nach Potsdam gekommen sind.« Hassan kennt die Probleme der Flüchtlinge nur zu gut. »Man lebt in ständiger Angst, abgeschoben zu werden, weil man sich von Duldung zu Duldung hangeln muss.« Aber es hilft nichts.

Hassan und Emel sprechen inzwischen akzentfrei Deutsch, für ihre Kinder ist es die Muttersprache. Sogar eine Arbeitserlaubnis haben sie. »Ich bin bei einer Straßenreinigungsfirma eingestellt, besser integriert können wir gar nicht sein. Daher verstehen wir nicht, warum wir des Landes verwiesen werden sollen.«

Die Geschichte rührt sogar Dietmar Woidke (SPD), den Ministerpräsidenten. Er hat die drohende Abschiebung der Familie als »widersinning« bezeichnet. Auch Schauspieler Til Schweiger äußerte eine klare Meinung: »Das wäre ein fatales Beispiel.«

Im Potsdamer Rathaus scheinen sie die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Am Montag sei der Fall Juseinov nochmals besprochen worden, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Eine weitere Duldung könne aus rechtlichen Gründen wohl nicht ausgesprochen werden. Alle weiteren Optionen, wie die Anrufung der Härtefallkommission des Landes, werde man mit der Familie besprechen. dpa/nd

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