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Niedrigzins trifft DKV & Co.

Private Krankenversicherer erhöhen die Beiträge / Geldpolitik gefährdet Rücklagen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Nullzinspolitik der Zentralbanken trifft nicht allein Sparer. Auch die privaten Krankenversicherungen bekommen Probleme.

Das ist erst der Anfang. Auf Hunderttausende Kunden der DKV kommt ein Beitragsschock zu: Bei der zweitgrößten deutschen Privatkrankenversicherung würden die Tarife pro Monat um bis zu 130 Euro angehoben, berichtete der »Tagesspiegel« am Donnerstag. Ohne den Einsatz von fast einer halben Milliarde Euro aus Rückstellungen wäre der Anstieg sogar noch höher ausgefallen.

Die DKV ist kein Einzelfall. Für das Jahr 2016 werden viele Versicherte mit einer privaten Kranken-Vollversicherung deftige Beitragserhöhungen hinnehmen müssen, wie es beim Brancheninfodienst Map heißt. Während die DKV die Sätze um 9,3 Prozent erhöhe, seien es bei der Halleschen sogar 9,8 Prozent und die genossenschaftliche R+V werde als Spitzenreiter den Preis für ihre Bestandskunden um durchschnittlich 16,4 Prozent erhöhen.

Etwa jeder zehnte Bundesbürger deckt seine Gesundheitsversorgung privat ab. Hinzu kommen Millionen Zusatzverträge, die von den Privaten verwaltet werden. Diese können sich im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen, die allein von den Beiträgen der Versicherten leben, nicht von den Entwicklungen auf den Finanzmärkten abkoppeln. Die andauernde Niedrigzinsphase trifft daher neben Banken und Lebensversicherern auch die Private Krankenversicherung ins Mark. Von den Beiträgen der Kunden werden Kapitalrückstellungen gebildet, vor allem um die zunehmenden Kosten im Alter abzudecken. Gesetzliche Auflagen verhindern, dass die Konzerne zu riskant anlegen. Was aber die Möglichkeiten begrenzt, höhere Renditen etwa mit Aktien zu erwirtschaften. Für vergleichsweise sichere Wertpapiere wie Staatsanleihen oder Bankeinlagen gibt es jedoch auf den Finanzmärkten seit Langem kaum noch Zinsen. Daher wird es immer schwieriger, die üblicherweise kalkulierte Marke von 3,5 Prozent zu erwirtschaften. Die Folge sind Beitragserhöhungen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg: In den letzen Jahren kam es nur zu moderaten Anpassungen. Versicherer dürfen die Beiträge erst erhöhen, wenn die Schadenzahlungen um fünf Prozent gestiegen sind. Nun scheinen die Dämme branchenweit zu brechen. Kritiker befürchten zudem Absprachen hinter den Kulissen.

Reißen die Krankenversicherer die in ihren Tarifen einkalkulierten Zinsmarken, müssen sie der Bundesfinanzaufsicht Bafin erklären, wie sie diese Marken künftig erwirtschaften wollen. Können sie das nicht, müssen sie die Ertragslücke anderweitig stopfen. Für fehlende Zinserträge dürfen sie ihre Versicherten in Form von Beitragsanpassungen zur Kasse bitten. Einer Faustformel zufolge kostet dabei ein Zehntel Prozentpunkt weniger Zins immerhin ein Prozent mehr Prämie. Darüber hinaus können die Gesellschaften ihre Ertragslöcher auch mit vorhandenen Reserven stopfen. Die Niedrigzinsphase ist für die Alttarife vor allem auf lange Sicht heikel: Es muss ja die gesamte Laufzeit des Vertrages mit den niedrigen Zinsen nachkalkuliert werden. Dadurch können die Beiträge zukünftig weiter in die Höhe schießen - vor allem für langjährig Versicherte.

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zeigt die Entwicklung bei der DKV, dass es für die Private Krankenversicherung jetzt »ans Eingemachte« gehe. Sie habe nämlich weitere Probleme: Das Neugeschäft breche ein, und die Kostendynamik sei »nach wie vor ungebrochen«. Lauterbach schloss kurzfristige Maßnahmen seitens der Regierung dennoch aus. Branchenkreise fordern indes längst eine Aufweichung des Bilanzrechts. Damit war bereits den Lebensversicherern geholfen worden. Das Problem lässt sich aber so nicht lösen, sondern es wird nur Zeit gewonnen.

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