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»El Chapo« will auspacken

Enthüllungen könnten in Mexiko ein politisches Erdbeben auslösen

  • Von Denis Düttmann
und Andrea Sosa, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.
Mexikos Establishment ist nervös. Weil er sich in der Haft schlecht behandelt fühlt, droht der Chef des Sinaloa-Kartells, Geheimnisse über seine Kontakte zu Regierung und Behörden auszupacken.

Der Guzmán-Clan bläst zum Gegenangriff. Zwei Monate nach Festnahme des mexikanischen Drogenbosses Joaquín »El Chapo« Guzmán wollen seine Anwälte und Angehörigen mit einem Hungerstreik, Drohungen und lancierten Interviews wieder das Heft in die Hand nehmen. Sie würden bald eine Liste von Politikern und Parteien veröffentlichen, die Geld von dem Chef des Sinaloa-Kartells erhalten haben, kündigten die Anwälte José González Meza, Juan Pablo Badillo und Carlos Urrutia an. Dann traten sie vor dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano in den Hungerstreik, um gegen die Haftbedingen Guzmáns zu protestieren. Die Enthüllungen könnten ein politisches Beben auslösen.

»Man kann viel über diesen Verbrecher sagen, aber dumm ist er nicht«, sagt der Wissenschaftler Javier Oliva Posada. Dem Sinaloa-Kartell werden ausgezeichnete Verbindungen ins politische Establishment nachgesagt. Sollte Guzmán tatsächlich auspacken, dürfte so mancher Politiker über die Klinge springen.

Flankiert wird die Drohkulisse der Anwälte von einer durchdachten Medienstrategie. Zuletzt beschwerte sich Guzmáns Ehefrau Emma Coronel in einem Interview des Fernsehsenders Telemundo über die Haftbedingungen ihres Ehemanns. Er werde nachts alle vier Stunden geweckt, das sei Folter, sagte die 26-Jährige. Dahinter vermutet sie Rache für die Blamage, die »El Chapo« der Regierung mit seinem spektakulären Gefängnisausbruch letztes Jahr beigebracht hatte. Der Menschenrechtsbeauftragte der mexikanischen Regierung, Roberto Campa, wies die Vorwürfe zurück: »Die Maßnahmen sind gerechtfertigt bei jemandem, der zweimal aus einem Bundesgefängnis geflohen ist.«

Gegen »El Chapo« liegt ein Auslieferungsantrag der USA vor. Zunächst wehrte er sich juristisch gegen seine Überstellung in die USA, wo er wegen Mordes, Drogenhandels und Geldwäsche belangt wird. Jetzt änderte er seine Strategie und wies seine Anwälte an, die Auslieferung voranzutreiben. Offenbar hofft er, mit den US-Behörden in Gegenzug für Informationen einen Deal aushandeln zu können. Alternativ will er wohl bessere Haftbedingungen erreichen.

Die Wissenschaftlerin Ivonne Acuña Murillo sagte, er übe Druck auf Mexikos Regierung aus und sendet Signale in die USA. Sein Kartell habe Leute, die in den besten Universitäten ausgebildet wurden, die eine politisch-mediale Strategie verfolgen, um bessere Bedingungen herauszuhandeln. »El Chapos« Tochter Rosa Isela Guzmán Ortiz betonte, es habe ein Abkommen zwischen ihrem Vater und den Behörden gegeben. »Die Regierung hat ihr Versprechen gebrochen. Jetzt, nachdem sie ihn festgenommen haben, sagen sie, er sei ein Verbrecher, ein Mörder. Das haben sie nicht gesagt, als sie um Geld für ihre Wahlkampfkampagnen gebeten haben. Sie sind Heuchler.« Ihre Familie überlege nun, Dokumente zu veröffentlichen, die die Finanzierung von Politikern durch den Drogenboss belegen sollen, sagte die 39-Jährige. dpa/nd

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