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Kimmich »kann alles«

Bayern-Trainer Guardiola »liebt« den 21-Jährigen nach dem 0:0 beim BVB

  • Von Thomas Nowag und Oliver Mucha, Dortmund
  • Lesedauer: 2 Min.

Kühn hatte Joshua Kimmich sämtlichen BVB-Angriffen getrotzt - aber Sekunden nach dem Abpfiff kam ein Wirbelwind auf ihn zugestürmt, gegen den der Dortmunder Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang im Sprint nur ein Lufthauch ist. Wie wild redete Pep Guardiola auf den 21-Jährigen ein, er stieß ihn vor sich her, legte die Hände um seinen Hals, zog ihn wieder heran, seine Hände zuckten auf und ab, hin und her. Stirn an Stirn setzte es für Kimmich eine Taktiklektion höchster Intensität.

Was wie ein Wutanfall des Bayern-Trainers aussah, war ein Ausdruck großer Wertschätzung. »Ich liebe diesen Jungen! Er hat alles, er kann alles, er gibt alles«, schwärmte Guardiola, »Wahnsinn, Wahnsinn.« Er wolle, sagte er und stach einen Zeigefinger nach oben, den Journalisten einen Ratschlag geben: »Sagt nie wieder, dass er nicht in der Innenverteidigung spielen kann! Er kann jeden Spieler der Welt verteidigen.«

Selbstverständlich kam nach Kimmichs in der Tat exzellenter Leistung die Frage, die kommen musste. Matthias Sammer beantwortete sie. »Bei ihm kommen zwei Dinge infrage: Die EM oder Olympia«, sagte der Sportvorstand. »Wir sind mit allem einverstanden.« Joachim Löw wird im Stadion nicht nur ob dieser Empfehlung aufgemerkt haben. Kimmich spielte intelligent, abgeklärt, er hatte 121 Ballkontakte, die beste Passquote im Team (94 Prozent) und die zweitbeste Zweikampfbilanz (64 Prozent). Es ist keine Kunst, zu vermuten, dass der Bundestrainer ihn im Notizbuch vermerkt hat.

Selbst ist Kimmich kein Mann großer Worte. Er ist bescheiden, zurückhaltend, fast schüchtern. »Es ist wichtig, auf Fehler angesprochen zu werden. Das hilft«, sagte er, beschränkte sich ansonsten auf wenige nichtssagende Sätze zum 0:0 im Topspiel.

Einiges spricht dafür, dass der in Stuttgart und bei RB Leipzig ausgebildete Junge aus Rottweil bald eine Stütze dieser Münchner Weltklassemannschaft sein wird. Oder von zweien, wenn es fürs Nationalteam reicht. Löw, der ein »irres Tempo und eine unglaubliche Geschwindigkeit im Spiel« sah, hält die Tür offen: Spieler der Marke Kroos, Müller, Neuer müsse er nicht beobachten, sagte er zuletzt. Er beobachte jene, die »künftig eine Rolle spielen könnten«. SID/nd

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