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Wahlkampfstart im Wohlfühlmodus

Mit vorbereiteten Formulierungen moderiert Michael Müller Versäumnisse sanft weg

Der Regierende Bürgermeister Michel Müller (SPD) inszeniert sich bei Fragerunden als glaubhafter Kümmerer - den Gästen gefällt es.

Es ist kuschlig an diesem Freitagabend im Haus am Lützowplatz. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in die Galerieräume zum Wahlkampfauftakt gerufen, und rund 120 Menschen, vor allem SPD-Mitglieder, füllen den verwinkelten Raum. »Es soll um das Gespräch mit Ihnen gehen«, sagt der Bürgermeister, schließlich habe er zu seinem Amtsantritt angekündigt, das Gespräch zu suchen. Die sozialdemokratische Tradition hält er mit der Bemerkung hoch, dass einst Willy Brandt den Trägerverein des Hauses mitbegründet habe.

»Füreinander« ist das Motto der Gesprächstour, die in den nächsten Wochen durch alle Bezirke führen soll. Das klingt schon fast christlich. Müller erläutert, dass wegen der »großen Veränderungsprozesse« in der Stadt neben der Verwaltung auch »aktive Bürger« Verantwortung tragen sollten. »Wachstum menschlich gestalten« steht als Untertitel auf dem DIN A5-Heftchen, in dem Müller auf den Illustrationen entweder freundlich in die Kamera guckt oder nachdenklich-visionär im Profil zu sehen ist. Er spricht mit uns und er denkt für uns. Wie beruhigend.

Die Fragen sind meist freundlich formuliert. Was Müller zum Beispiel in anderen Metropolen sehe und er sich für Berlin wünsche, erkundigte sich ein Gast. »Alle Bürgermeister wollen von mir wissen, wieso und warum es bei uns so gut läuft, ganz besonders beim Thema sozialer Frieden«, antwortet Müller zunächst, um schließlich doch noch dazu zu kommen, dass bei einer »leistungsfähigen und digitalisierten Verwaltung« andere weiter seien, oder auch beim »selbstbewussteren und stärkeren Ausbau« von öffentlichem Personennahverkehr und Fahrrad. »Wir führen keinen Kampf gegen das Auto«, schiebt er noch schnell hinterher, damit wirklich niemand beunruhigt ist.

Für gewisse Dinge hat Müller bereits Standardformulierungen parat. Geht es um fehlende Mitarbeiter, seien es Lehrer oder Verwaltungskräfte, erklärt er, dass er sie nicht einfach »herbeibeschließen« könne, wenn sich einfach auch niemand bewerbe.

Spricht jemand das niedrige Lohnniveau für Landesbedienstete an, spricht Müller über die Konkurrenz, der man sich durch Bundesbehörden ausgesetzt sehe, um dann auf das Einstiegsgehalt von Lehrern zu kommen, 4700 Euro. »Das ist nicht so schlecht«, sagt er dann noch. Das funktionierte am Morgen schon bei der Diskussion mit Schülern des Lise-Meitner-Oberstufenzentrums, und es funktioniert abends am Lützowplatz.

Er ist höflich, er hört zu, er wirkt nicht ungeduldig. Er bekommt auch öfter Zwischenapplaus. Zum Beispiel als er sich gegen Prostitutionssperrbezirke ausspricht: »Verdrängen und den Frauen schlechter helfen können, kann nicht die Lösung sein.« Oder als er sich für die Integration von Flüchtlingen ausspricht. Es sind nicht alle hundertprozentig zufrieden mit den Antworten, aber niemand ist komplett unzufrieden. Müllers unaufgeregte Art kommt offensichtlich an beim Publikum.

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