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Eilers sprintet vom Krankenbett zum WM-Titel

Der neue Doppelweltmeister aus Chemnitz ist die neue olympische Bahnradhoffnung in Rio

  • Von Stefan Tabeling, London
  • Lesedauer: 3 Min.

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Joachim Eilers hat sich bei der Bahnrad-WM in die Weltspitze katapultiert. Dabei war er vor acht Monaten schwer gestürzt. Im deutschen Team ist er nun olympischer Medaillenanwärter für Rio.

Bei der Abschlussfeier der deutschen Bahnradmannschaft in London musste Joachim Eilers eine Runde ausgeben. Er tat es mit Vergnügen. Dass der 25-Jährige nach den Titelkämpfen in London als Doppelweltmeister dasteht, hätte der gebürtige Kölner noch vor acht Monaten nicht zu träumen gewagt. »Ich habe meinen Olympia-Traum schon platzen sehen, nachdem ich im Sommer den schweren Rückfall hatte«, berichtete Eilers von seinen bitteren Momenten im Juli 2015.

Bei einem Sprintwettkampf in Cottbus war Eilers über den Kolumbianer Fabian Puerta gestürzt, die harte Piste entlanggerutscht und mit der Schulter gegen eine Betonplatte geknallt. Er erlitt einen fünffachen Oberarmbruch. »Die Ärzte haben mich wieder zusammengeflickt«, erzählte das Kraftpaket, das sechs Wochen lang nicht richtig trainieren konnte. Heute scherzt er sogar darüber: »Ich habe noch drei Titaniumschrauben in meinem Arm. Ich bin stabiler geworden.«

Wie stabil er ist, musste die gesamte internationale Konkurrenz nun in London erfahren. Im nichtolympischen 1000-Meter-Zeitfahren holte er seinen ersten Titel, die Krönung folgte am Sonntag mit Gold im Keirin nach einem Zielfotoentscheid. »Das ist ein Traum, mich muss nur noch jemand aufwecken. Ich werde einige Tage brauchen, um das zu realisieren«, sagte Eilers, der auch noch Bronze im Teamsprint gewann. Im deutschen Team wurde er nach den drei Medaillen auf der Olympiabahn von 2012 als großer Hoffnungsträger für die kommenden Sommerspiele in Rio de Janeiro gefeiert.

Eilers ist längst aus dem Rheinland nach Sachsen übergesiedelt und hat in Chemnitz eine neue Heimat gefunden, wo er unter seinem Trainer Ralph Müller zum Weltklasseathleten gereift ist. Die edlen Plaketten aus London sollen diesmal nicht wie üblich in irgendeinem Karton verschwinden. »Ich muss sehen, dass ich jemanden beauftrage, die Medaillen ordnungsgemäß aufzuhängen. Dekorative Fähigkeiten sind nicht meine Stärke«, gibt Eilers zu.

Wem auch immer Eilers diese Aufgabe letztlich übertragen wird, es soll möglichst nicht die letzte Gelegenheit zur Verschönerung der eigenen vier Wände bleiben. Spätestens seit den WM-Tagen zählt Eilers zu den Medaillenkandidaten im Sommer in Rio. Im Teamsprint ist er als Schlussfahrer gesetzt. Schon bei der WM in London hatte er mit einer starken letzten Runde Platz drei gerettet. Und seit Sonntag zählt er zu den ganz heißen Anwärtern auf eine Keirin-Medaille. »Wenn es gelingt, wäre es die geniale Erfüllung meines Traums. Olympia ist mein Ziel. Man hat ja teilweise nur einmal die Chance, dabei zu sein«, betonte Eilers.

Bevor der Olympia-Countdown startet, will Eilers zwei Wochen Pause einlegen und seine Eltern im Rheinland besuchen. Ende März geht es mit dem Aufbautraining auf Mallorca weiter. Und spätestens ab dann steckt nur noch Rio im Kopf. dpa/nd

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