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Viele Wege führen nach Westen

Nach dem Schließen der Balkanroute werden Schlepper und Flüchtlinge den neuen Hindernissen ausweichen

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Abriegelung der mazedonisch-griechischen Grenze hat die Flüchtlingszahlen stark reduziert. Schlepper werden versuchen, für ihre Kunden alternative Wege nach Westen zu erschließen.

Neue Hürden auf der Balkanroute lassen in Österreich und Deutschland spürbar die Flüchtlingszahlen sinken. Die Zahl der illegal über die Balkanroute ziehenden Flüchtlinge steige, die der offiziell eingereisten Immigranten sei »stark zurückgegangen«, beschreibt Rados Djurovic die Lage seit der weitgehenden Abriegelung der mazedonisch-griechischen Grenze. Der Direktor des Zentrums für Asylsuchende in der serbischen Hauptstadt Belgrad: »Insgesamt sind derzeit deutlich weniger Flüchtlinge auf der Balkanroute unterwegs. Doch hält der Druck aus der Türkei an, wird sich das nicht halten lassen: Die Leute werden weiter kommen - und sich andere Wege nach Westen suchen.«

Nicht nur der Blick auf die Landkarte, sondern auch die Erfahrung bestätigt, dass vom Bosporus aus viele Wege nach Westen führen. Der Verlauf der Balkanroute hat sich nicht nur während der derzeitigen Flüchtlingskrise bereits mehrmals geändert, sondern war auch schon in früheren Jahren einem steten Wandel unterworfen. Es sei zwar »noch kein verschärfter Druck« auf Bulgariens Grenzen zu registrieren, berichtet vor wenigen Tagen in Sofia Kitty McKinsey, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR): »Aber in der Vergangenheit haben die Schlepper sehr schnell auf jede Änderung der Lage reagiert.«

Im Wesentlichen wird über drei Szenarien spekuliert: neue Umleitungen auf der bisherigen Balkanroute; die Verlagerung der Flüchtlingsbewegungen auf eine südlichere »Adriaroute« via Albanien; oder die verstärkte Nutzung und Verschiebung der »Ostroute« über Bulgarien nach Rumänien - möglicherweise gar über die bisher kaum genutzte Schwarzmeer-Route.

So wie die Abzäunung von Ungarns Grenzen im Herbst zur Verschiebung der Balkanroute nach Westen führte, könnte es wegen der Abriegelung der mazedonisch-griechischen Grenze erneut zu Umleitungen kommen. Rados Djurovic erinnert daran, dass die Schlepper bereits vor drei Jahren zeitweise den Umweg über Albanien nutzten. Als Mazedoniens Polizei 2013 verstärkt im Dreiländereck zu Serbien und Kosovo patrouillierte, sei die Route eine Zeit lang über Albanien und Montenegro nach Serbien erfolgt. Die Wiederholung des Szenarios hält er genauso für »vorstellbar« wie die verstärkte Nutzung von Ausweichrouten an der serbisch-mazedonischen Grenze über Kosovo. Denkbar sind auch Alternativrouten, die Serbien umgehen. Von Albanien könnten drei Wege in den Westen führen: Über die Adria nach Italien, an der Küste entlang über Montenegro ins südkroatische Dalmatien oder über Montenegro und Bosnien und Herzegowina nach Nordkroatien.

Die Küstenroute hält Djurovic für wenig realistisch. In Dalmatiens schmalen Küstenstreifen seien die Überlandstraßen von der Polizei »relativ leicht zu kontrollieren«. Kaum wirkungsvoll zu überwachen sei hingegen die Route von Albanien über Montenegro und Bosnien-Herzegowina nach Kroatien: »Einzelne Schlepper werden das probieren. Aber das ist eine sehr harte Route mit vielen Grenzen. Zehntausende werden das kaum versuchen.«

Nicht nur Budapest, sondern auch Bukarest schließt offenbar eine nördliche Verschiebung der von Bulgarien nach Serbien verlaufenden Ost-Route nicht aus. Ungarn kündigte den Baubeginn eines Grenzzauns zu Rumänien an, Bukarest die Einrichtung eines Flüchtlingslagers im nordwestrumänischen Tasnad. Eine verstärkte Überwachung der bulgarisch-türkischen Grenze könnte dabei Schleppernetzwerke auch die bisher so gut wie kaum genutzte Schwarzmeer-Route entwickeln lassen: Vom Bosporus ist Bulgariens Küste keineswegs weit entfernt.

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