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Begleitet in die eigenen vier Wände

In Mitte unterstützen Ehrenamtliche Geflüchtete beim Umzug

  • Von Jerôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.
Seit Januar gibt es die Sozialkommission »Wohnbegleitung für Flüchtlinge« in Mitte. Ehrenamtliche helfen Flüchtlingsfamilien beim Umzug von der Gemeinschaftsunterkunft in eine private Wohnung.

Geschafft! Nach langem Warten und unzähligen Behördengängen kann es nun endlich in die eigenen vier Wände gehen. Doch wenn eine anerkannte Flüchtlingsfamilie in Berlin endlich das Okay für den Umzug in eine eigene Wohnung bekommen hat, geht der Stress erst richtig los. Wo finde ich eine passende Wohnung? Wie melde ich mich beim Strom- und Wasserversorger an? Und was ist eigentlich in meinem neuen Kiez los? So ein Umzug bringt allerhand Fragen mit sich. Da braucht man gar kein Flüchtling zu sein, um hier schnell den Überblick zu verlieren.

Niedrigschwellig Antworten und Hilfestellung zu geben, das ist der Ansatz der Sozialkommission »Wohnbegleitung für Flüchtlinge«. Der Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste in Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), hat die Soko für seinen Bezirk im Januar ins Leben gerufen. Die Idee: Ehrenamtliche stehen Flüchtlingsfamilien beim Einzug in die neue Bleibe mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen den neuen Mietern bei der Einrichtung und bei allen Sachen, die im Rahmen des Umzugs zu erledigen sind. Auch bei Behördengängen und Anträgen greifen die Ehrenamtlichen den Flüchtlingen unter die Arme.

»Integration fängt beim Wohnen an. Aber die eigene Wohnung ist nicht alles. Wichtig ist auch der soziale Kontakt zu Nachbarn und zum bezirklichen Umfeld. Hierbei unterstützen unsere Wohnbegleiter die Neumieter«, erklärt von Dassel. Die Idee für das Projekt sei ihm im vergangenen Sommer gekommen. Damals hatte der Bezirksstadtrat die Eigentümer von Ferienwohnungen mit der Frage angeschrieben, ob sie ihre Wohnungen zumindest zeitweise an Flüchtlinge vermieten wollen. Die Resonanz blieb eher zurückhaltend. »Es gab einige durchaus berechtigte Vorbehalte. Die Eigentümer wollten zum Beispiel wissen, an wen Sie sich bei auftretenden Problemen wenden können«, wie von Dassel sagt. Hier kommen jetzt die Wohnbegleiter ins Spiel. Sie sollen nicht nur die einziehenden Flüchtlingsfamilien unterstützen, sondern auch Ansprechpartner für die Vermieter sein und bei Missverständnissen vermitteln.

Momentan engagieren sich 14 ehrenamtliche Unterstützer in der Kommission. Jeder Freiwillige entscheidet dabei selber, mit wie viel Zeit er oder sie sich einbringen kann. Wenn der Geflüchtete über das Jobcenter eine Wohnung im Bezirk gefunden hat, wird er an ein Zweierteam von Wohnbegleitern vermittelt. Ab dann beginnt der mit rund drei Monaten veranschlagte Betreuungsprozess.

Wer auch schon vorher bei der Wohnungssuche helfen möchte, kann das ebenfalls tun. »Wir haben eine ganz bunte Truppe. Viele Junge wollen sich engagieren, aber zum Glück auch einige Rentner mit viel Zeit«, sagt Martina Witte-Kurandt, Vorsitzende des Ehrenamtsbüros in Mitte und Koordinatorin der Wohnbegleiter.

Ein Vorteil gegenüber anderen Formen des Engagements für Flüchtlinge sei der enge persönliche Kontakt mit den Menschen. Diese Bindung erleichtere den Flüchtlingen das Ankommen in ihrem neuen Zuhause ungemein, so Witte-Kurandt. In nächster Zeit wolle man die Kommission stärker in die Öffentlichkeit bringen und neue Ehrenamtliche werben. Die brauche man nämlich ganz dringend. Die Nachfrage nach den Wohnbegleitern sei hoch.

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