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Mittagsfrau, hilf!

Jurij Koch hat einen Krimi für Kinder verfasst

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn der Chef eines Seniorenheims schon Goldgruber heißt! Auch scheint er sich kaum Sorgen zu machen, dass Oma Abessinka verschwunden ist. Sie habe sich doch schriftlich abgemeldet. Aber das glauben die anderen Heimbewohner und vor allem Golo und Logo nicht. Die beiden Jungs hatten in einem früheren Buch schon mit Abessinka zu tun und haben schon Erfahrung, was rätselhafte Vorfälle betrifft. Weshalb sie die Polizei nicht rufen und den Eltern vorflunkern, dass sie abends zu einer Theaterprobe müssten: »Die Mittagsfrau«. Dass sie diese Gestalt aus der sorbischen Sagenwelt kennen, kommt ihnen übrigens später in einer gefährlichen Situation zupass.

Tatsächlich dürften gerade Jungs ab 8 an diesem Buch ihre Freude haben. »In letzter Zeit ist’s langweilig im Dorf.« - Der Satz ist hingeschrieben, um widerlegt zu werden. Es wird jungen Lesern garantiert keine Sekunde langweilig sein - eine etwas größere Schrift erleichtert Ungeübten die Lektüre, und die ausdrucksstarken Bilder von Thomas Leibe treffen den Witz der Situation.

Witz - darauf kann Jurij Koch sich etwas zugute halten. Die Geschichte steckt voller schneller Winkelzüge und komischer Situationen. Der Schriftsteller, der einer sorbischen Steinarbeiterfamilie aus der Lausitz entstammt, hat sich mit über dreißig Büchern einen Namen gemacht, von denen die meisten auch irgendwie in seinem heimatlichen Umfeld verwurzelt sind. Und siehe, im Dorf bei Cottbus, wo Jurij Koch lebt, gibt es, wie schnell herauszufinden ist, auch ein Seniorenheim. Ob der Kuchen dort auch oft hart ist? Jedenfalls sei der Heimleitung bei der Lektüre dieses Buches viel Humor gewünscht.

Aber es hat ja durchaus einen ernsten Hintergrund, dass die verschollene Oma Abessinka dem Herrn Goldgruber von einem Goldschatz erzählte, den ihr Mann, der einst Pirat war, irgendwo in der Nubischen Wüste vergraben haben soll. Denn vor ihrer Einweisung wurde sie ausgefragt nach ihrem Hab und Gut. Sie wusste, dass man in dem einstigen Schloss des Grafen von Wackerbart »Reiche lieber nimmt als Arme«.

Schloss Wackerbarth befindet sich zwar in Radebeul, aber »Wackelbart« hat alles zu bieten, was man von einem so alten Gemäuer erwartet. Unter der Welt der Pflege befindet sich eine des Geheimnisses. Dorthin müssen Golo und Logo vordringen - der eine mit viel Mut, der andere mit der Gabe, logisch zu kombinieren. Und es ist gerade Worreschk, der älteste Heimbewohner (seine Beine sind kurz und langsam, dafür die Ohren groß und lauschstark), der ihnen entscheidende Hinweise gibt.

Folgt den Fledermäusen! Dann hören sie das wendische Volkslied: »Guten Abend, Mütterlein ... Wo ist nur dein Töchterlein ...« Es schaudert einen. Es hätte böse enden können. Am Ende erscheint doch die Polizei.

Jurij Koch: Abessinka, wo bist du? Mit Bildern von Thomas Leibe. Lychatz Verlag. 86 S., geb., 9,95 €.

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