Werbung

»Kotti«-Kiez in Berlin ringt um Zusammenhalt

Hunderte Interessierte bei Anwohnerversammlung im Kreuzberg-Museum diskutieren Strategien gegen Missstände

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Kriminalität, Verwahrlosung und Rücksichtslosigkeit beschäftigen Gewerbetreibende und Anwohner des Kiezes rund um das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Das Ergebnis einer Versammlung: mehr Nachbarschaftshilfe.

Kreuzberg wäre nicht Kreuzberg, wenn es nicht kontrovers zur Sache gehen würde. So auch am Donnerstagabend im Kreuzberg-Museum. Hunderte Anwohner, Gewerbetreibende und politisch Engagierte aus dem Kiez sind gekommen. Unter der Überschrift »Kippt der Kotti?« diskutierten die Interessierten turbulent die aktuelle Lage am Kottbusser Tor, »das Kotti« eben, wie der Platz vor dem Betonriegel des »Neuen Kreuzberger Zentrums« genannt wird.

Seit Wochen schreiben Medien (auch das »nd«) über die Missstände am stark frequentierten U-Bahn-Umsteigebahnhof und der umliegenden Partymeile: Schlagworte sind steigende Kriminalität, Verelendung und Verwahrlosung. »Brauchen wir mehr Polizei und Ordnungskräfte« und können die »Selbstheilungskräfte« des Kiezes mobilisiert werden, hieß es in der Ankündigung zur Veranstaltung.

Auf dem Podium lagen die Einschätzungen zur Situation auseinander: Angelika Levi von der Mieterinitiative »Kotti & Co« beispielsweise erklärte, dass man die Veränderungen nicht nur auf kriminelle Handlungen schieben könne, sondern auch die Verdrängung alteingesessener Bewohner beachten müsse, wodurch die Verunsicherung im Kiez gestiegen sei. Der Autor und Migrationsforscher Mark Terkessides wiederum sagte: »Ich finde, dass die Situation einigermaßen außer Kontrolle ist.« Es gebe Überfälle, Einbrüche und Gewalt, was auch viele Gewerbetreibende im Publikum bestätigten. Der Tenor: Seit acht Monaten habe sich am Kottbusser Tor merklich etwas verändert.

»Ich kann bestätigen, dass die Zahlen enorm gestiegen sind«, sagte Tanja Knapp, die Leiterin des örtlichen Polizeiabschnitts 53, der für die Gegend zuständig ist. Die Polizei versucht der Entwicklung durch eine verstärkte uniformierte Präsenz, den Einsatz von Kontaktbereichsbeamten als Ansprechpartner und durch operative Maßnahmen von Zivilpolizisten zu begegnen. Außerdem soll offenbar ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt werden.

Im Publikum, aber auch auf dem Podium stieß die merklich gestiegene Polizeipräsenz am Kottbusser Tor nicht nur auf Zustimmung. »Die Politik mit den großen Einsatzkommandos bringt nichts«, erklärte Richard Stein von der Bar »Möbel Olfe«. Die Bereitschaftspolizisten würden auch »Nachbarsjungen« an die Wand stellen, was den Polizisten des Abschnitts 53, die den »Kotti« kennen, nicht passieren würde, so Stein.

In der Debatte ging es aber nicht nur um Einschätzungen zur Lage, sondern auch den Versuch, Wege aus der Misere zu finden. »Es geht darum, sich wie früher wieder nachbarschaftlich zu vernetzen«, betonte die Grüne-Stadträtin Jana Borkamp. Immer wieder fallen Worte wie »Selbsthilfe«, »Selbstorganisation« und »Zusammenhalt«. Ganz in diesem Sinne gibt es seit einigen Wochen »Kotti«-Spaziergänge, wo Gewerbetreibende und Anwohner immer freitags durch den Kiez ziehen, um mit den Leuten zu sprechen.

»Wenn wir zusammenhalten, wenn wir uns grüßen, dann garantiere ich, dass sich die Probleme verringern werden«, erklärte eine Anwohnerin am Ende der Veranstaltung. Ein Statement, dass die Debatte gut zusammenfasst: Mehr solidarischer Zusammenhalt statt »Law-and-Order«, ganz so, wie man es vom linken Kreuzberg eben erwartet.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!