Die letzte Scheinblüte vor dem Untergang

Im Werkstatt Verlag ist die erste Gesamtdarstellung jüdischer Fußballvereine im nationalsozialistischen Deutschland erschienen

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Nach der Machtergreifung der Nazis im Januar 1933 explodieren die Mitgliederzahlen jüdischer Fußballvereine - sie werden zum erzwungenen sportlichen Exil im eigenen Land.

»Gar zu oft wurden in den letzten Jahren die psychischen Kräfte dermaßen erschüttert, daß ich glaubte, durch den Druck der prekären Situationen, in der wir Juden uns befinden, ersticken zu müssen. Wenn dann aber die Sonntage kamen, an denen ich mich aktiv betätigte, auf unseren Sportplätzen Zuschauer war oder Sportreisen mit der Mannschaft unternahm, dann erwuchs Lebensfreude, und ungeahnte Kräfte hielten einen wach, die auch die schwersten seelischen Depressionen überwinden ließen.« Dieser Stoßseufzer eines unbekannten Vereinsmitglieds stammt aus dem August 1936, erschienen in der Vereinszeitschrift des TSV Schild Frankfurt. Schild Frankfurt ist bis zum Januar 1933 ein kleiner jüdischer, um seine Existenz ringender Sportverein. Aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten explodiert seine Mitgliederzahl geradezu - bis 1936 auf mehr als 1500. Die letzte Scheinblüte vor dem Untergang.

Schild Frankfurt ist einer von rund 200 Fußb...


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