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»Kinder werden in Armut hineingeboren«

Jedes fünfte Kind in Deutschland gilt als armutsgefährdet. In einigen Bundesländern stellt sich die Situation noch dramatischer dar. In Bremen etwa betrifft das 33 Prozent aller Kinder, in Sachsen-Anhalt gelten fast 29 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern 27 Prozent als gefährdet. Erst vor wenigen Tagen warnte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers: »Bis 2030 werden mindestens vier Millionen Kinder in Deutschland als arm gelten.« Die Schätzungen sind eher vorsichtig, denn Hilgers hatte die Flüchtlingskinder noch gar nicht einbezogen.

Am Mittwoch befasste sich die Kinderkommission des Bundestags mit der Problematik. In einem Expertengespräch versuchte man den Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Vermögensverteilung zu klären. Der als Experte geladene Ralf Krämer vom ver.di-Bundesvorstand verwies auf die Tatsache, dass sich die Ungleichheit seit der Deutschen Einheit erhöht habe und das unabhängig davon, wer in Bonn bzw. in Berlin an der Macht gewesen sei. Immer wieder habe sich die Besteuerung der Reichen in den letzten Jahrzehnten vermindert. So sei die Steuerbelastung großer Vermögen im internationalen Vergleich »sehr gering«, kritisierte Krämer. Die Folgen dieser Steuerpolitik sind statistisch längst nachweisbar: Während die untere Hälfte der Bundesbürger über 2,6 Prozent des Nettovermögens verfügt, besitzt das obere Zehntel mehr als 63 Prozent, das reichste Hundertstel immerhin noch 31,6 Prozent.

Auch Dieter Krause vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) konstatierte, dass die Ungleichheit in der Bundesrepublik zugenommen habe. Der Rückgang der mittleren Erwerbseinkommen spiegele diese Entwicklung wider. Krause machte zudem auf einen erstaunlichen Effekt aufmerksam. So sei die Kinderarmut früher immer höher gewesen als die allgemeine Armutsquote. Doch seit 2005 hätten sich beide Werte angeglichen. Allerdings nicht, weil Kinderarmut zurückgegangen, »sondern die allgemeine Armutsquote gestiegen« sei. Offenbar eine direkte Folge der Hartz-IV-Reformen, die im Januar 2005 in Kraft traten.

»Kinder werden in Armut hineingeboren«, betonte Ronald Lutz von der Fachhochschule Erfurt. »Sie werden dadurch in ihrer sozialen Teilhabe und in ihren Bildungschancen massiv beeinflusst.« Lutz zufolge, der selbst Pädagogen ausbildet, könne eine bessere Ausstattung der Kitas dies kaum abfangen. »Die materielle Situation der Eltern ist der entscheidende Faktor«, unterstrich der Professor. Solange vor allem Alleinerziehende im Hartz-IV-System gefangen sind, wird sich daran wohl nichts ändern. fal

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