WM in Zeiten der Dopingkrise

Die Leichtathleten kommen ohne Stars nach Portland - die Russen dürfen nicht

  • Von Sebastian Stiekel, Portland
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dopingskandale bestimmen die Hallen-WM der Leichtathleten in den USA schon vor dem ersten Wettkampf. Die Russen sind deshalb gar nicht dabei. Das deutsche Team ist aus anderen Gründen sehr klein.

An diesem Freitag beginnen in Portland die Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathleten, doch kaum ein Star ist da: Alle russischen Athleten sind nach dem großen Dopingskandal gesperrt, während Usain Bolt oder Mo Farah ohnehin kaum unterm Dach starten. So drohen Titelkämpfe auf nur begrenztem Weltniveau - die dafür mehr denn je vom Dauerthema Doping überlagert werden.

Auch die Freiluft-WM 2015 in Peking stand im Schatten von Enthüllungen. So klagte damals die deutsche Kugelstoßweltmeisterin Christina Schwanitz: »Die meisten Leute denken doch jetzt: Die sind eh alle gedopt!« Nur konnte sich selbst damals kaum jemand vorstellen, was Anfang dieses Jahres in allen Details ans Licht kam: Dass an der Spitze des Weltverbandes IAAF jahrelang eine kriminelle Clique um den früheren Präsidenten Lamine Diack Dopingvergehen vertuschte, Athleten erpresste und sich daran schamlos bereicherte.

Die Hallen-WM ist die erste große Meisterschaft seit diesen Enthüllungen. Sie findet in Zeiten statt, in denen Russlands Athleten kurz vor dem Olympia-Ausschluss stehen und Kenias Verband nur noch bis zum 5. April Zeit hat, Verbesserungen in seinen Antidopingbemühungen nachzuweisen. Andernfalls droht auch dem erfolgreichsten Team der Pekinger WM das Aus für Rio de Janeiro. Im Gegensatz zu den Russen sind die Kenianer im Oregon Convention Center von Portland aber noch mit elf Athleten am Start.

Einen Tag vor Beginn der WM zitierte die »Frankfurter Allgemeine« aus einem internen IAAF-Papier, das nun auch vor allem Äthiopien riesige Defizite bei der Dopingbekämpfung unterstellt. Demnach sei in der Läufernation 2015 von der Regionalen Antidoping-Agentur Ostafrikas nicht einmal getestet worden. Auch 2013 und 2014 habe es insgesamt nur 14 Kontrollen in Äthiopien gegeben.

Der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe hat es trotzdem geschafft, das Wort »Doping« im Zusammenhang mit dieser WM nicht einmal in den Mund zu nehmen. Weder in seinem Vorwort des offiziellen Begleitmagazins, noch in seinem WM-Ausblick bei der Sitzung des Councils in Monaco. »Die Leichtathletik nimmt wieder Schwung auf«, sagte er da. Die Sportfans könnten in Portland schon mal einschätzen, was sie dann in ein paar Monaten in Rio erwartet. Der Satz hätte in Verbindung mit Doping auch schlecht geklungen.

Viele Athleten begnügen sich in der Krise nicht mehr mit Floskeln. Der Druck auf die Funktionäre geht auch von ihnen aus. So forderte die US-Läuferin Alysia Montano vergangene Woche den Ausschluss der früheren Dopingsünder Justin Gatlin und Tyson Gay aus dem Team. Wenig später trat der Olympiasieger von 2000, Noah Ngeny, als Athletenvertreter des kenianischen Verbandes zurück, weil er dessen laxen Antidopingkampf nicht mehr mittragen wollte.

Die deutschen Leichtathleten sind mit einem kleinen und besonders jungen Team nach Portland gereist. Namhafte Athleten wie Raphael Holzdeppe mussten verletzungsbedingt absagen, dafür sind Zukunftshoffnungen wie Weitspringerin Alexandra Wester dabei. Für Bundestrainer Idriss Gonschinska hat diese WM gerade deshalb einen hohen Wert. »Unser junges Team kann in Portland Erfahrung sammeln und sich erstmals in einem harten internationalen Wettbewerb auf Weltniveau beweisen«, sagte er. dpa/nd

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