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Le Pen ist das Symptom einer unglücklichen Gesellschaft

Die französische Schauspielerin Julie Delpy über ihren neuen Film, gute Kindererziehung und falsche Wege zum schnellen Glück

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Lolo – Drei ist einer zu viel« ist eine romantische Komödie von Julie Delpy. Der narzisstische Lolo (Vincent Lacoste) versucht darin alles, um den neuen Freund (Dany Boon) seiner Mutter Violette wegzuekeln.

Frau Delpy, warum ein Film über diese Thema?
Meine Beobachtungen sind leider Realität. Die Kinder müssen keine manipulative Soziopathen wie Lolo sein, damit Eltern verzweifeln. Den Grundstein legen sie meist selbst. Kinder werden oft verwöhnt und zu kleinen Königen gekrönt. Auch ich nannte meinen Sohn lange »Mein kleiner Caesar«. Dann fühlte er sich großartig. Langfristig war es verheerend. Als er anfing, sich wie ein kleiner Tyrann zu benehmen und mich zu manipulieren, setzte ich klare Grenzen.

Was offenbar nicht allen Eltern gegeben ist?
Lolo war sicher ein nettes und süßes Kind. Das macht es Eltern schwer, streng zu sein. Natürlich hat jedes Kind die Liebe seiner Mutter. Es ist aber nicht die einzige Person, mit der sie künftig ihr Leben verbringen will. Diese Balance musste auch ich mühsam lernen.

Haben Sie in Erziehungs-Ratgebern Rat gesucht?
Obwohl mein Sohn ein sensibler und rücksichtsvoller Junge ist, war ich bei jeder Schwierigkeit verunsichert. Das entspricht meinem Naturell. Also habe ich alles über die Beziehungen zwischen Müttern verschlungen.

Das klingt nicht so, als wären Sie als Mutter entspannt?
Vielleicht wäre ich lockerer, wenn ich mehrere Kinder geboren hätte. Dafür ist es leider zu spät. Vor der Geburt von Leo hätte ich nicht erwartet, dass mich das Muttersein ausfüllt. Das Schreiben und Regieführen hielt ich lange für meine Bestimmung. Ich würde auch nie auf meinen Beruf verzichten. Aber meine Rolle als Mutter steht jetzt an erster Stelle.

Sie sparen im Film nicht mit der Kritik an anderen Auswüchsen in der gesellschaftlichen Entwicklung?
Die Reality Shows des Fernsehens suggerieren den Menschen falsche Wege zu schnellem Glück und Erfolg. Es ist aber keine Leistung, Kleider über den Laufsteg zu tragen. Solche Sendungen verstärken zudem bei vielen Menschen den Eindruck, ihr eigenes Leben sei leer und einsam. Das macht sie anfällig für einfache Antworten. Donald Trump, Marine Le Pen und der IS sind die Symptome einer unglücklichen Gesellschaft, die keine Antwort auf die Wünsche und Ängste vieler Menschen findet.

Sie machen sich auch über Angela Merkel lustig?
Als Frau möchte man nicht unbedingt mit ihr verglichen werden. Sie ist nicht besonders feminin, wirkt oft unerotisch und wie ein Eisblock. Aber als Politikerin macht sie einen guten Job.

Die Frauen in Ihren Filmen nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie über die Erfahrungen mit Männern sprechen. Ist dies Ihr Freundeskreis?
Wir Franzosen sind wohl noch immer etwas lockerer als die Deutschen. Unsere Kultur war stets anrüchig sexuell angehaucht - schon Diderot mixte Politik und Sexualität. Bei Goethe dagegen sterben die Figuren vor Verlangen, bevor sie überhaupt das erste Mal Sex hatten. Die Franzosen sterben während des letzten Sex’, die Deutschen ohne Sex. Soweit die Vorurteile. Letztlich verhalten wir uns wohl ähnlich. Die Franzosen gehen nur offener damit um. Die französischen Könige versteckten niemals ihre Mätressen, unsere Präsidenten haben Liebschaften. Dominique Strauss-Kahn wäre noch im Amt, wenn er in Paris und nicht im prüden New York beim Seitensprung erwischt worden wäre.

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