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China und … Mao

Von Reinhard Renneberg , SAR Hongkong, China

  • Von Reinhard Renneberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Katzenklon, Katzenklon« hieß meine erste Biolumnen-Sammlung beim Wissenschaftsverlag Springer Spektrum in Heidelberg. Mein 2006 verstorbener genialer Freund Manfred Bofinger hatte sie illustriert. Bofi wäre in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden und sein Todestag jährt sich zum zehnten Mal. Manfred fehlt uns sehr, gerade jetzt!

Meine Berliner »Bio-Grafikerin« Darja Süßbier hatte passend zum aktuellen Biolumnenthema eine von Bofis damaligen Illustrationen in ihrem Archiv ausgegraben (und Bofis Witwe Gabi und der Buchverlag haben den Nachdruck im »nd« genehmigt). Bofi war ein großer Kinder- und Katzenfreund. Meine Katzen sprangen ihm nach kurzem Schnuppern immer gleich auf den Schoß und verfolgten neugierig seine Skizzen auf dem Block. Lustige papierne Bofi-Mäuse fanden sie dann aber doch total uninteressant …

Katzen waren die ersten geklonten Haustiere. Allerdings waren mein Kater Hou Choi (der Glückliche) und die dreifarbige Kätzin Fortuna keine Klone, sondern Originale. Das Farb-Gen übrigens besitzen nur die Katzenfrauen! Kater sind wie die meisten Menschen-Männer nicht so recht farbenfroh.

Der Vorteil der Katzen in Hongkong: Sie sind anders als Hunde auf dem Uni-Campus erlaubt. Meine China-Katzen waren allerdings noch komplizierter im Charakter als gemütliche dicke deutsche Katzen. Das Personal - also ich - hatte stets fürs richtige Futter zu sorgen. Dafür legten sie mir aber jeden Abend getreulich gejagte chinesische Mäuse vor die Balkontür.

Bisher vermutete ich wie auch viele Fachleute, dass die Hauskatzen aus dem Nahen Osten zu uns nach China, in den Fernen Osten, gebracht wurden. Im Nahen Osten hatten sich Nubische Falbkatzen (Felis silvestris lybica) - auch Afrikanische Wildkatzen genannt - vermutlich schon den Menschen angeschlossen, als diese dort vor etwa 11 000 Jahren sesshaft wurden und begannen, Landwirtschaft zu betreiben. Denn wo es Getreidevorräte gab, waren reichlich Mäuse zu jagen. Daraus wurde dann im alten Ägypten ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Vor ungefähr 3600 Jahren wurde dort aus dem Kulturfolger eine richtige Hauskatze. Die Ägypter bewunderten die Katzen so sehr, dass daraus ein richtiger Kult entstand. Archäologische Grabungen legten enorme Mengen von Katzenmumien frei.

Chinesische und französische Forscher fanden nun Katzenknochen in chinesischen Dörfern, die auf 3500 v.u.Z. datiert wurden. Die DNA-Tests zeigen klar: Diese »Ost-Katzen« sind genetisch alle Leoparden-Katzen (Prionailurus bengalensis), entfernte Verwandte der westlichen Wildkatze, von der wiederum alle »West-Katzen« abstammen. Die Leoparden-Katzen sind schon immer echte Asiaten gewesen. Es gab damals also offenbar zwei völlig verschiedene Arten von Hauskatzen!

Heute allerdings sind auch Chinas Hauskatzen Nachfahren von »West-Katzen«. Noch ist unklar, wie diese den Osten eroberten. Vermutlich kamen sie mit dem Handel über die Seidenstraße aus dem Römischen Reich ins China der Han-Dynastie. Es gab auch Vermischungen. Ob sie nun einfach besser Mäuse fingen als die im Osten heimischen Hauskatzen, darauf allerdings können die genetischen Analysen auch keine Antwort bieten.

Katzen spielten auch in der chinesischen Politik eine große symbolische Rolle. Katze heißt auf Chinesisch »Mao«. Das klingt phonetisch genau so wie der Name des Großen Steuermanns Mao Tse Tung, dessen Familienname »Mao« allerdings für die Bedeutung »Pelz« steht.

Der pragmatische Kommunist und Mao-Überwinder Deng Xiaoping (1904-1997) führte China nach Maos Tod von 1979 bis 1997 mit dem berühmten Katzen-Motto zum Erfolg:

»Es spielt keine Rolle,

ob die Katze schwarz oder weiß ist.

Hauptsache, sie fängt Mäuse!«

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