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Mit 200 Sachen über die Karl-Marx-Allee

Von dem geplanten »Formel-E«-Rennen in Friedrichshain sind die Anwohner wenig begeistert

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Mitte Mai sollen Elektro-Rennautos durch Mitte und Friedrichshain brettern. Noch liegen nicht alle Genehmigungen vor.

Von Elsa Koester

Große, glänzende Augen und weit aufgerissene Münder: Wie die kleinen Jungs umringen die Hauptstadtfotografen das blaue Rennauto im Hof des Roten Rathauses. Ein Blitzlichtgewitter donnert los, mittendrin grinst der 23-jährige Rennfahrer Daniel Abt, locker auf seinem motorisierten Phallussymbol hockend: ein fast tonnenschwerer 200-Kilowatt-Rennwagen. Vollelektrisch.

»Emotionen und Leidenschaft wecken« will der Senat mit dem »Formel-E« Rennen, das am 21. Mai über die Karl-Marx-Allee verlaufen soll. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) strahlt: Die nachhaltigen Elektroflitzer seien »eine unbezahlbare Werbung für Berlin«.

Ursprünglich sollte das Rennen wie schon in den vergangenen Jahren auf dem Tempelhofer Feld stattfinden. Da auf dem ehemaligen Flughafengelände aber inzwischen die bundesweit größte Flüchtlingsunterkunft entstanden ist, geriet die Werbeaktion für die Berliner Elektroauto-Industrie ins Wackeln. Jetzt wurde eine alternative Strecke gefunden: Mitten durch die Innenstadt soll das Rennen führen, rund um den Strausberger Platz in Friedrichshain. Auf einer Strecke von zwei Kilometern fahren die Autos ein paarmal im Kreis. Ein Spektakel, das laut Veranstaltern über 20 000 Zuschauer anziehen soll.

36 Stunden wird der Verkehr auf der Hauptachse Karl-Marx-Allee komplett lahmgelegt: Für Autos, jedenfalls für die weniger rasenden, für Fußgänger und Radfahrer. Wegen Sanierungsarbeiten wird die U-Bahn wahrscheinlich auch nicht fahren. Während der zwei Wochen Aufbau der Rennstrecke soll es aber »kaum« zu Behinderungen kommen, meinte Formel-E-Chef Alejandro Agag. Weniger als in Paris, wo für das Rennen im April die gepflasterte Straße um den Invalidendom eigens asphaltiert wird.

Jugendliche Begeisterung rufen diese Pläne bei der Linkspartei Friedrichshain-Kreuzberg nicht hervor. »Mitten im dicht bebauten Wohngebiet ein Autorennen zu organisieren, ist eine Schnapsidee«, sagt Pascal Meiser, Bezirksvorsitzender der LINKEN. Der Senat handele grob fahrlässig und bringe die Anwohner in Gefahr. Nach dem Sicherheitskonzept gefragt, gerät Wirtschaftssenatorin Yzer selber ins Schleudern: »Sicherlich liegen noch einige Abstimmungsschritte mit dem Bezirk vor uns.« Der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung liegen noch nicht alle erforderlichen Genehmigungen vor. Anhörungen mit Bezirk, Polizei, Feuerwehr und Verkehrsbetrieben stünden noch aus, sagte eine Sprecherin dem »neuen deutschland«.

Auch Anwohner zeigen sich wenig begeistert. »Wir kämpfen gegen Raser, die nachts Rennen fahren, und tagsüber geht das ganz legal«, beschwert sich Hans-Joachim Trappen von der Anwohnerinitiative »Lebenswertes Wohnen in Friedrichshain-West«. Er hat nichts gegen Elektroautos. »Solange sie nicht mit 200 Sachen durch die Stadt rasen.«

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