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Rasender Zirkus

Bernd Kammer würde den 
E-Boliden den Stecker ziehen

Die Karl-Marx-Allee knüpft an alte Zeiten an: Tribünen werden aufgestellt, Absperranlagen installiert und der U-Bahnhof Schillingstraße geschlossen. Auch starkes Gerät wird wieder auf der Allee zu sehen sein, allerdings handelt es sich dabei nicht um Panzer wie weiland zum Republikgeburtstag, sondern um etwas schnittigere Fahrzeuge, die auch nicht so viel Krach machen und nicht mal stinken.

Welch ein Fortschritt also, dass Ende Mai die Elektromobilität auf der Karl-Marx-Allee Einzug hält. Wenigstens für einen Tag werden die Benzinfresser durch 270 PS starke Elektrorenner verdrängt, die mit 200 Sachen zwischen Alex und Strausberger Platz hin und her flitzen. Das wird der E-Autobranche sicher mächtig Auftrieb geben. Und erst recht den Kudamm- und sonstigen Rasern. Besseren Ansporn können sie sich kaum wünschen.

Die Männer vom Weltverband FIA finden jedenfalls, dass die Strecke »perfekt passt«. Wahrscheinlich hat ihnen niemand gesagt, dass es in der Nähe einen Lausitzring gibt, der zwar für zig Millionen Euro gebaut wurde, aber kaum ausgelastet ist. Und zur Not hätte man auch die Avus als Rennpiste reaktivieren können, deren Tribünen vor sich hinrotten. Aber sicherer wäre es dort allemal.

Doch dem Senat ist die Stadt offenbar nicht zu schade, in ihr jeden Zirkus zuzulassen, wenn er nur irgend einen Werbegag verspricht. Wenn es ihm um die Elektromobilität ginge, könnte er auch seinen Fuhrpark entsprechend umrüsten.

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