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Wunderheiler

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Anjezë Gonxha Bojaxhiu ist seit fast 19 Jahren tot. Die Albanerin war eine Frau von eher kleiner Statur, von unscheinbarem Äußeren, aber mit einem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen. Und sie setzte ihre Barmherzigkeit geschickt in einer Image-Kampagne ihres Arbeitgebers ein. Wer diese liebe, gutherzige Frau im Fernsehen sah, konnte fortan der Institution, die sie vertrat, nur noch Vertrauen entgegenbringen. Im September erhält Anjezë Gonxha Bojaxhiu posthum den höchsten Bonus des Unternehmens, für das sie zu Lebzeiten 51 Jahre lang tätig war. Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu, besser bekannt als Mutter Teresa, wird von Papst Franziskus heilig gesprochen.

Der Weg zur Heiligsprechung ist kompliziert. Die betreffende Person muss zu Lebzeiten ein gottgefälliges, tugendhaftes (übersetzt heißt das: der Kirche gefälliges) Leben geführt haben. Das allein reicht aber nicht. Wenn man nicht den Märtyrertod gestorben ist, braucht es für die Heiligsprechung ein Wunder. Im Falle der katholischen Nonne Teresa sind das mehrere angebliche Wunderheilungen; Menschen, die schwer krank waren, sind nach Gebeten zu der seligen Teresa gesundet.

Der Glaube war stets der Bruder der Vernunft, von diesem wird er allerdings oft verschwiegen. Zu Unrecht, denn wie sehr der Glaube selbst Realität schaffen kann, zeigt Angela Merkel. Beharrlich hält sie daran fest, dass sich die Flüchtlingskrise (womit an dieser Stelle sowohl die Krise gemeint ist, in der sich jene befinden, die nach Europa flüchten als auch jene politische Krise, die ihre Ankunft in Deutschland ausgelöst hat) sich zum Guten wenden werde. Es ist daher kein Zufall, dass die Bundeskanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik von deren Befürwortern wie Gegnern gleichermaßen den Titel »Mutter Angela« erhalten hat. Die einen werfen ihr damit quasi-religiösen Eifer vor und das sie damit das Abendland den Muselmanen ausliefert, die anderen verklären sie zur Heiligen der CDU, die dem C in CDU für »Christlich« wieder Bedeutung gibt.

Gewisse Parallelen zwischen Angela Merkel und Anjezë Gonxha Bojaxhiu sind unverkennbar. So wie Merkel mit stoischem Gleichmut die Kritik der CSU an ihrem Kurs in der Flüchtlingspolitik erträgt, lächelte Mutter Teresa die Kritik an ihrer stockkonservativen Haltung zu Fragen der Sexualität und zum Vorwurf, ihr sei es in erster Linie um Missionierung und nicht um Hilfe für Arme gegangen, weg. Anders als Mutter Teresa kann Angela Merkel jedoch nicht auf ein Wunder warten. Sie muss ihr Heil in der irdischen Diplomatie suchen. jam Foto: photocase/cydonna

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