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Kurzer Weg zum Kreuz

Ingolf Bossenz über die politische Metaphorik der Karwoche

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Wie alle Jahre wieder gedenkt die Christenheit an diesem Sonntag des Einzugs von Jesus in Jerusalem. Fünf Tage später wurde der zunächst enthusiastisch Bejubelte und als Erlöser Gefeierte auf Golgatha exekutiert.

In Rekordzeit von »Hosianna!« zu »Kreuzigt ihn!«. In keiner anderen biblischen Metaphorik gerinnt das Wohlfeile und Launenhafte der öffentlichen Meinung zu solcher Drastik. Die Übernahme dieser Karwochensymbolik in diverse Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ist Legion. Ob Fußballtrainer, Provinzpolitiker, Leinwandhelden, Großschriftsteller oder Wirtschaftswundertäter - sie alle gieren nach Gunst und Gnade des Populus. Verlieren sie diese, droht zwar nicht das Kreuz. Aber die Verurteilung durch die Pilatusse der medialen Talkshow-Kultur hat einen entscheidenden Unterschied zu jener durch den Präfekten Roms vor fast 2000 Jahren: Es gibt sehr selten eine Wiederauferstehung.

Dass für Angela Merkel mit ihrem unseligen Türkei-Deal ausgerechnet zur Karwoche das endgültige Ende der Hosianna-Rufe des Herbstes gekommen zu sein scheint, ist ein durchaus denkwürdiges Zusammentreffen. Zweifelhaft ist indes, ob die protestantische Christin mit Blick auf Kritiker und Gegner so wohlwollend formulieren wird wie Jesus seine letzten Worte: »Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.«

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