Bin ich ein Essiggurkerl?

Die Ausstellung »Ich« in der Frankfurter Schirn folgt der Maxime »Bloß kein Gesicht zeigen!«

  • Von Georg Leisten
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

War früher der Blick der Augen das Schlüsselloch zur Seele, verlagert der Künstler heute seine Individualität in Dinge wie Bargeld, Ausweis und Kleidung. Eine Frankfurter Ausstellung und ihr Bildersturm auf das Ich.

Wer bin ich? Eine Körperoberfläche, ein Geruch, eine Gurke? In den Selbstporträts der zeitgenössischen Kunst wird das Subjekt zum Objekt - zu diesem Schluss kommt eine Ausstellung der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main. Ohne Zweifel hat das Fremdeln des modernen Menschen mit dem, der sich da im Spiegel zeigt, eine lange Tradition. »Ich ist ein anderer« befand schon der französische Dichterdandy Arthur Rimbaud. Maler wie Egon Schiele, Ernst Ludwig Kirchner oder Francis Bacon bestätigten ihn, indem sie schockierend verfremdete Egomasken schufen. Doch diese Selbstporträts beruhen immer noch auf dem menschlichen Gesicht und dem Anspruch, aus seiner Mimik auf psychische Befindlichkeiten schließen zu können.

Demgegenüber verfolgt die Schau, die sich das durchgestrichene Wort »Ich« zum Titel gibt, die Entwicklung einer Kunst, die komplett auf Physiognomie verzichtet, um zu rein konzeptionellen Bildnissen zu gelangen. Schon der minima...

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