Zwischen Drohung und Verlockung

Ein Machtkampf zwischen dem Weltverband FIBA und den Klubs spaltet Europas Basketball

Der Basketballweltverband FIBA will an Europas Klubwettbewerben wieder mitverdienen, doch die reichsten Vereine wehren sich. Die Bundesliga steckt zwischen beiden fest. Es geht um viele Millionen Euro.

Europas Basketball ist in Aufruhr. Seit Monaten streiten sich die Union der europäischen Basketball-Ligen (Uleb) mit dem Weltverband FIBA um viele Millionen Euro. Am Montag war beim monatlichen Hin und Her mal wieder die FIBA dran und stellte die Pläne für ihre neue Champions League vor, die im September starten soll. Das Problem ist, dass es so etwas in Form der Euroleague längst gibt. Nur wird die eben nicht von der FIBA betrieben, sondern von den reichsten Klubs selbst - unter dem Dach der Uleb.

Nun scheint unausweichlich, dass es ab Herbst zwei konkurrierende europäische Klubwettbewerbe geben wird, und beide werden von sich behaupten, dass die besten Vereine des Kontinents an ihrem teilnehmen. Beim einen werden es die finanzstärksten Klubs aus den besten Ligen sein, beim anderen die meisten nationalen Meister Europas. So etwas gab es schon einmal, als im Jahr 2000 der FIBA-Europapokal der Landesmeister von der Euroleague herausgefordert wurde. Die FIBA versuchte noch, mit der Suproleague dagegenzuhalten, scheiterte aber schon nach einem Jahr, da sich die besten Klubs der Euroleague anschlossen.

Nun versucht die FIBA, mit ihrer Champions League das Rad der Zeit zurückzudrehen, und lockt die Vereine mit Geld: Alle 32 teilnehmenden Mannschaften, die sich nur sportlich über ihre nationalen Ligen qualifizieren können, erhalten 100 000 Euro Startgeld. Je weiter sie kommen, desto mehr wird es. Der Sieger bekäme insgesamt 500 000. Insgesamt werden mehr als vier Millionen Euro ausgeschüttet, versprach die FIBA am Montag in Paris.

Mit der Euroleague kann sie dabei nicht mithalten. Die hat sich in den vergangenen Jahren allerdings immer mehr zum elitären Klub entwickelt. So wurden A-Lizenzen verteilt, im Grunde ewig währende Startrechte für reiche Klubs à la Real Madrid, ZSKA Moskau, FC Barcelona oder Olympiakos Piräus, kein deutscher Klub ist Teil dieser Kaste. Im kommenden Jahr sollen nur noch 16 Teams mitspielen, elf davon besitzen eine A-Lizenz. Immerhin: Drei nationale Meister, darunter der deutsche, ein Qualifikant und der Meister des zweitklassigen Eurocups werden auch noch eingeladen, der Rest muss draußen bleiben. Man spielt jeder gegen jeden, also 30 Runden, bevor die Playoffs beginnen.

Die Euroleague hat vor Kurzem einen mehrere hundert Millionen teuren Sponsorenvertrag über die kommenden zehn Jahre abgeschlossen, der den Klubs inklusive der Marketingerlöse bis zu 40 Millionen Euro pro Jahr an Einnahmen versprechen soll. Offiziell bestätigt wurde dies zwar nicht, doch die A-Lizenz-Vereine lehnten damit eine FIBA-Offerte ab, die ihnen 30 Millionen garantiert hätte. Die Klubs, die später wieder austreten wollen, sollen zehn Millionen Euro zahlen müssen. Dafür können die 100 000 Euro Startgeld in der Champions League kaum ein Anreiz sein. Eine Drohung also, die wirkt.

Interessanterweise hatte die Euroleague jüngst selbst die FIBA und ihre Landesverbände bei der Europäischen Kommission angezeigt, weil diese angeblich mit Drohungen ihr Monopol ausnutzten. So warnte Italiens Verband, dass drei Klubs das Spielrecht entzogen werde, sollten diese künftig an Uleb-Wettbewerben teilnehmen, anstatt an denen der FIBA. Armani Mailand wurde übrigens nicht gedroht, da der Klub mit A-Lizenz längst an die Euroleague gebunden ist. Nun soll offenbar ein weiteres Ausbluten vermieden werden. Die FIBA soll zudem mit dem Ausschluss Spaniens vom Olympiaturnier gedroht haben, sollte sich die spanische Liga ACB komplett für die Uleb-Wettbewerbe entscheiden. In Paris waren am Montag allerdings keine Drohgebärden zu vernehmen.

Frankreich und Italien haben trotzdem der FIBA schon ihre Gefolgschaft versprochen. Der Deutsche Basketball-Bund verzichtet bislang auf Vorgaben für die BBL, die ihrerseits vor einer Entscheidung noch die Offerten beider Seiten abwarten wollte. »Die meisten Klubs werden schauen, wo der sportlich attraktivste Wettbewerb für sie ist«, sagte Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi.

In der Euroleague könnte wohl nur der deutsche Meister spielen. In der Champions League wären es mindestens zwei Teams. »Wir halten dieses Projekt für wichtig. Gleichzeitig ist die Gesamtsituation nicht gelöst«, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz in Paris und prognostizierte, dass die Liga noch mehr Plätze zugesprochen bekommen werde: »Der deutsche Markt ist extrem wichtig. Wir werden sicher unter den Ligen sein, die die höchste Zahl bekommen.«

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