Lauernde Genossen

Aert van Riel über das vergiftete interne Lob für SPD-Chef Sigmar Gabriel

Gabriel ist nur ein Verwalter der Krise, in der die Sozialdemokraten seit Jahren stecken. Lösungsansätze hat er bislang nicht vorgelegt - deswegen ist ein Wahlkampf mit Gabriel an der Spitze so wenig aussichtsreich.

Die engere SPD-Führung hat sich dafür ausgesprochen, dass Sigmar Gabriel nächstes Jahr Kanzlerkandidat werden soll. Die Spitzengenossen lobten in diesem Zusammenhang die Arbeit ihres Vorsitzenden überschwänglich. Dabei fällt die Bilanz von Gabriel nach sechseinhalb Jahren als Parteichef ernüchternd aus. Die SPD hat zuletzt massiv Wähler verloren. Alternative Machtoptionen wurden zudem nicht ausgelotet, obwohl nach der Bundestagswahl 2013 rechnerisch auch eine Mehrheit mit LINKEN und Grünen unter einem SPD-Kanzler möglich gewesen wäre.

Das zeigt, dass Gabriel nur ein Verwalter der Krise ist, in der die Sozialdemokraten schon seit Jahren stecken. Lösungsansätze hat er bislang nicht vorgelegt. Deswegen ist ein Wahlkampf mit Gabriel an der Spitze so wenig aussichtsreich. Das wissen natürlich auch seine Parteikollegen. Diese können nun seelenruhig abwarten, bis ihr Konkurrent aller Voraussicht nach die Wahl verlieren und daraufhin womöglich zurücktreten wird. Wer jetzt vorprescht, würde angesichts der schwachen Umfragewerte der SPD seine eigene Karriere gefährden. In diversen Medien wird immer wieder über die Ambitionen von Olaf Scholz und Andrea Nahles spekuliert. Nach einer linken Erneuerung der SPD nach 2017 klingen diese Namen nicht - eher nach einer Fortsetzung der Großen Koalition.

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