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Weil die UEFA die Fußballerinnen benachteiligt, werden die Viertelfinals für die Klubs teuer

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Auch wenn der 1. FFC Frankfurt am Mittwoch in der Champions League antritt: Die eigenständigen Frauenvereine verlieren im Fußball national und international den Anschluss. Die UEFA könnte helfen, macht es aber kaum.

Zu konkreten Zahlen gibt der ansonsten so mitteilsame Siegfried Dietrich ungern Auskunft. Der Mann, der im Gleichklang beim 1. FFC Frankfurt als Manager, Vermarkter und Investor auftritt, weiß aber sehr wohl, dass der insgesamt viertägige Malmö-Trip in der Women’s Champions League mal wieder ein Zuschussgeschäft wird. Wenn die Titelverteidigerinnen am Mittwoch im Viertelfinalhinspiel beim schwedischen Meister FC Rosengard antreten, dann ist der sportliche Anreiz größer als der wirtschaftliche. Dasselbe gilt für die deutschen Pokalsiegerinnen vom VfL Wolfsburg, die den italienischen Vertreter AFC Brescia empfangen.

Auch wenn Fernsehsender wie Eurosport die Spiele regelmäßig live übertragen, hapert es noch an der Vermarkung und damit an Einnahmen. Die UEFA hat nur Kleinstbeträge für ihren einzigen internationalen Frauenwettbewerb übrig, die im Vergleich zum männlichen Hochglanzprodukt wie Hohn wirken: Fürs Viertelfinale gibt es 25 000 Euro, fürs Halbfinale 50 000 Euro. Pro Runde kommen noch 20 000 Euro Aufwandsentschädigung hinzu, die sich um 7500 Euro erhöht, wenn ein Flug mehr als zweieinhalb Stunden dauert. Die Reise- und Organisationskosten deckt das oft trotzdem nicht - die Krux der weiblichen Königsklasse.

Scheidet beispielsweise Frankfurt gegen das international namhafte Rosengard-Ensemble um die fünfmalige Weltfußballerin Marta aus, dann heißt es: außer Spesen nicht viel gewesen. Trotzdem gewinnt Dietrich dem Vergleich auf dem Kunstrasen im Idrottsplats-Stadion genug ab: »Wir wollen nur zu gerne den nächsten Schritt auf europäischem Weg gehen.« Wolfsburg-Trainer Ralf Kellermann äußert sich ähnlich: »Brescia soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg ins Finale sein.« Kämpfen sich der Zweite und Dritte der Frauen-Bundesliga ins Semifinale vor, kommt es Ende April zum deutsch-deutschen Duell. Das Finale wird dann am 26. Mai im Stadio Città del Tricolore in Reggio Emilia ausgetragen, fast 170 Kilometer südöstlich von Mailand gelegen. Für einen stimmungsvollen Vorlauf fürs Endspiel der Männer im San Siro taugt solch ein Ort nicht.

Bereits im Vorjahr wurde mit dem Berliner Jahn-Sportpark ein eher unwürdiger Finalschauplatz gewählt, an dem der 1. FFC Frankfurt überraschend gegen Paris St. Germain triumphierte. Doch weder der Titel noch die 250 000 Euro Prämie sorgten dafür, sich gegenüber Konkurrenten wie Paris oder Olympique Lyon besser zu stellen. Die französischen Topklubs stemmen locker ein Vielfaches vom Frankfurter Etat (1,8 Millionen Euro). »Auch Wolfsburg hat ein deutlich höheres Budget als unseres«, betont Dietrich und spricht mittlerweile von »zwei völlig verschiedenen Welten«.

Dass die reinen Frauenfußballvereine - darunter auch der einstige deutsche Serienmeister Turbine Potsdam - nicht nur national, sondern auch international den Anschluss verlieren, ist offensichtlich: Bis auf Frankfurt und Rosengard sind alle anderen Teams in der Runde der letzten Acht Ableger von Männervereinen - von Slavia Prag bis zum FC Barcelona. Thomas Röttgermann, dem für die Frauenabteilung des VfL Wolfsburg zuständigen Geschäftsführer, ist derlei Schubladendenken zu einfach. »Für mich sind die Lizenzvereine eine echte Chance - und eine Bereicherung. Auf der einen Seite, weil sie oft gestandene Marken sind. Und ich glaube auch, dass die Lizenzvereine ein anderes Maß an Professionalität bieten.«

Die Fußballerinnen innerhalb der VW-Tochter können auf eine prima Kosten-Nutzen-Rechnung in den vergangenen Jahren verweisen. 2013 und 2014 gewann Wolfsburg die Women’s Champions League - die Frauen steigerten die Sympathiewerte mit erfrischenden Auftritten zu einem geringen Preis. Solche Coups zu wiederholen, werde aber nicht einfach, wie Kellermann betont. Beispielsweise haben auch englische Vereine gerade begonnen, mächtig an der Gehaltsspirale zu drehen. Führend sind diesbezüglich aber noch immer Frankreichs Trendsetter Paris und Lyon, die mutmaßlich das zweite Halbfinale bestreiten. Einer der Klubs dürfte im Sommer der neue Arbeitgeber der Frankfurter Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan werden. Dass die 23-jährige Edeltechnikerin ihren auslaufenden Vertrag nicht verlängert, ist ein offenes Geheimnis. Nur Dietrich sagt auch in dieser Causa lieber nichts.

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