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Schwieriger Neuanfang für das Museum in Altranft

Die seit Anfang der 1980er Jahre zusammengetragene Sammlung im Schloss kann ab Ostersonntag besichtigt werden

  • Von Jeanette Bederke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Museum im Schloss Altranft zeigt ab Ostersonntag, was dort über Jahrzehnte an Exponaten gesammelt wurde.

Im altehrwürdigen Schloss von Altranft sieht es auf den ersten Blick aus, als stünde eine große Entrümpelung bevor. Gleich dutzendfach sind alte Bügeleisen aufgereiht, in ebenso reicher Zahl Fleischwölfe, Kaffeekannen, Nachttöpfe, altertümliche Nähmaschinen und hölzerne Spinnräder oder verrostetes landwirtschaftliches Werkzeug. »Wir zeigen Sachen aus Depots, die Besucher zuvor noch nie zu Gesicht bekamen. Daraus soll sich eine neue Sammlungskonzeption entwickeln«, erklärt Lars Fischer. Der Kulturwissenschaftler arbeitet im Büro für Landschaftskommunikation Schiffmühle, das ein neues Konzept für das einstige Freilichtmuseum Altranft entwickelt hat.

Eigentlich hatte der Landkreis Märkisch-Oderland das Museum aus Kostengründen längst schließen wollen. Schon seit Oktober 2015 war es für Besucher nicht mehr zugänglich. Nach einem Kreistagsbeschluss ist der Landkreis nun aber Mitglied in einem neuen Trägerverein, ebenso die Stadt Bad Freienwalde, der Traditionsverein Altranft und die Sparkasse Märkisch-Oderland. Fünf Jahre lang gibt es Zuschüsse von der Kreisverwaltung und von der Stadt Bad Freienwalde sowie von der Bundeskulturstiftung, um zu beweisen, dass sich der Erhalt des Museums lohnt.

Die Neuausrichtung beginnt schon beim Namen. Das Museum in Altranft nennt sich nunmehr Werkstatt für ländliche Kultur und informiert nun offenbar nicht mehr über ganz Brandenburg, sondern insbesondere über das Oderbruch. Mit dem Kulturerbe des Landstrichs soll sich künftig ein Netzwerk befassen. »Die kulturelle Beschreibung gibt es durch das Museum. Einbezogen werden Heimatstuben, Geschichtsausstellungen und Ortschroniken in den kleinen Orten, aber auch die zahlreichen Künstler im Oderbruch«, erläutert Kenneth Anders, Leiter des Büros in Schiffmühle. Ein neuer Schwerpunkt ist außerdem die Bildung. Dazu kooperiert das Museum seit Jahresbeginn mit zehn Schulen im Oderland. »Wir wollen, dass sich die Schüler mit ihrer Heimatregion beschäftigen«, erklärt Soziologe Anders.

Zudem wird mit Jahresthemen gearbeitet. 2016 steht das Handwerk im Fokus: mit Handwerkertagen, einer aufs Handwerk ausgerichteten Ausstellung und Forschungsarbeiten von Studenten der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Die Ingenieurin und Kulturmanagerin Petra Hemm befindet sich im Ruhestand und ist vorerst für ein Jahr ehrenamtliche Leiterin des neuen Museums. Ihr zur Seite stehen eine Assistentin, eine Grafikerin und demnächst zwei Besucherbetreuer sowie zwei Hausmeister, alle auf Sparflamme per Minijob angestellt. Weitere Unterstützung wird mittels Honorarvertrag geregelt, so auch die konzeptionelle Begleitung durch das Büro für Landschaftskommunikation.

Hemm will vor allem dafür sorgen, dass Ort und Museum enger zusammen arbeiten. »Die Altranfter kennen sich in ihrem Dorf aus, würden gern Besucher durch den Ort mit den vielen Baudenkmälern führen. Und sie können mit anpacken, wenn Hilfe nötig ist«, sagt Hemm. Die seit Anfang der 1980er Jahre zusammengetragene Sammlung im Schloss kann ab Ostersonntag unter der Überschrift »Revision I« besichtigt werden. Dann startet das neue Museum in die Saison.

»Wir wollen wissen, welche Erinnerungen oder Erfahrungen Besucher mit den ausgestellten Dingen verbinden«, erläutert Fischer. Die Sammlung des Museums umfasst mehr als 8000 Objekte und muss mit Hilfe eines Fachbeirates neu geordnet werden. »Dazu braucht man Geschichten und Wissen über die Dinge, um zu entscheiden: Sind sie für das Erzählen der Geschichte des Oderbruchs sinnvoll«, sagt Anders.

Das sei sicher eine ungewöhnliche Herangehensweise, aber das Neudurchdenken sei sehr sinnvoll, meint Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes. »So ein Transformationsprozess ist nicht innerhalb weniger Wochen getan«, macht sie deutlich. Gegenstände, die mehrfach vorhanden seien, könnten letztlich auch anderen zur Verfügung gestellt und für die museumspädagogische Arbeit verwendet werden. dpa

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