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Auch für Cannabis ist hier gelobtes Land

Israel fördert therapeutische Anwendung von medizinischem Marihuana seit Jahren / Liberale Regeln ermöglichen Wissensvorsprung

  • Von Daphne Rousseau
  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Graben, Mauer, Stacheldraht, Überwachungskameras und Wachposten lassen eher eine Militärbasis vermuten, doch dafür riecht es hier zu verräterisch nach Marihuana. Am Rande der Landgenossenschaft Kfar Pines im Norden Israels wachsen 50.000 Pflanzen 230 unterschiedlicher Cannabis-Sorten. Die zweitgrößte Plantage des Landes für medizinischen Hanf verströmt den unverkennbaren Geruch.

»Auch für Cannabis ist hier das gelobte Land mit mildem Klima, 300 Tagen Sonnenschein und perfekter Luftfeuchtigkeit«, sagt Tamir Gedo, Chef der Firma BOL Pharma. Vom Gesundheitsministerium hat die Farm die Lizenz bekommen, Hanf als Heilpflanze anzubauen und zu vermarkten. Zum reinen Vergnügen ist der Konsum von Haschisch und Marihuana auch in Israel nicht erlaubt. Die therapeutische Anwendung wird dagegen seit zehn Jahren sogar gefördert.

Im vergangenen Jahr stellten israelische Ärzte entsprechende Rezepte für rund 25.000 Patienten aus, die an Krebs, Epilepsie, posttraumatischen Störungen oder schmerzhaften degenerativen Erkrankungen leiden. Heilen können die weichen Drogen diese Krankheiten nicht, aber die Symptome deutlich lindern. In der ganzen Welt streiten Mediziner über Cannabis als Arzneimittel. Es könne abhängig machen und Verhaltensstörungen hervorrufen, wird eingewendet. Andererseits ist lange bekannt, dass der Konsum der weichen Droge Ess- und Schlafstörungen, Angstpsychosen oder Entzündungen hemmen kann.

Vieles muss noch erforscht werden, und das geht in Israel schneller, weil die Gesundheitsbehörden klinische Tests am Menschen eher erlauben als anderswo. Unternehmer, Investoren und Wissenschaftler treten hier zunehmend auf den Plan und suchen nach dem Wunderextrakt aus Marihuana: Einer kondensierten Form der Wirkstoffe, die in genauer Dosis mit einem Minimum an unerwünschten Nebeneffekten verabreicht werden kann.

Auf dem gut geschützten Firmengelände der BOL Pharma finden sich Labors und Treibhäuser. Die biochemischen Kennwerte jeder einzelnen Pflanze werden dort ferngesteuert. Denn die Erzeugung von medizinischem Cannabis erfordert eine minutiöse Überwachung des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC), der die Freizeitkiffer high macht, aber für manche Patienten, vor allem Kinder, abträglich ist.

»Dank der Pionierrolle unseres Gesundheitsministeriums konnten wir über klinische Tests eine Fachkompetenz gewinnen, die wir nun mit Firmen in den USA und Europa teilen«, erklärt Gedo. Dies gelte aktuell bei Versuchen zur Behandlung der chronischen Darmkrankheit Morbus Crohn. Da Israel die Cannabiserzeugnisse nicht exportieren darf, will es ein Weltzentrum für die agronomische, medizinische und technologische Expertise bei der Arzneiverwertung werden.

So gesellte sich gerade ein Cannabis-Forschungszentrum an der renommierten Hebräischen Universität von Jerusalem zu den rund zwanzig Forscherteams, die sich an israelischen Hochschulen dem Thema widmen. Im März kamen 200 Branchenvertreter in Tel Aviv zur CannaTech-Konferenz zusammen. Verkäufer mit Schlips und Kragen, einige trotz des vom Veranstalter auferlegten Rauchverbots durchaus leicht »bekifft«, stellten dort elektrische Joints, hanfbasierte Heilsalben und andere Nebenprodukte vor.

Andere denken ans größere Geschäft: »In den beiden letzten Jahren ist die Legalisierung von Cannabis sprunghaft vorangekommen«, sagt Saul Kaye, Chef des ersten israelischen Gründerzentrums für junge Hanfindustrieunternehmen. »Diesen Trend werden wir nicht verpassen und die ersten Großinvestitionen sind äußerst vielversprechend.«

Kaye verweist auf die 20 Millionen Dollar, welche der US-Tabakgigant Philip Morris im Januar in das israelische Startup Syke steckte, das Präzisionsinhalatoren für medizinisches Cannabis herstellt. Zugleich verkündete die israelische Firma Eybna, dass es ihr gelungen sei, Essenzen aus den Hanfpflanzen zu gewinnen, welche die psychoaktiven Bestandteile nicht enthalten, wegen denen der rezeptfreie Gebrauch verboten ist. AFP/nd

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