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Kompass nach Süden

Argentinien steigt bei TV-Sender Telesur aus

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Argentinien steigt bei Telesur aus. Man werde die Zusammenarbeit mit dem lateinamerikanischen Nachrichtensender beenden, teilte Argentiniens Medienminister Hernán Lombardi mit. Zudem werde die Einspeisung des Signals von Telesur in das staatseigene offene Digitalfernsehnetz eingestellt werden. Die privaten Kabelbetreiber sollen zukünftig selbst entscheiden, ob und wenn ja, in welcher Nische sie den Sender anbieten. Der größte private Kabelanbieter, Cablevisión vom Medienriesen Grupo Clarín, hatte den Sender schon vor Wochen aus seiner Angebotsliste gestrichen.

Telesur war 2005 gemeinsam von den Regierungen von Venezuela, Argentinien, Bolivien, Kuba und Uruguay gegründet worden, 2007 traten Nicaragua und Ecuador bei. Telesur ist eine Aktiengesellschaft, an der Venezuela die Mehrheit hält und finanziell den Löwenanteil der Kosten trägt. Der Hauptsitz ist in Caracas. Nun will sich Argentiniens Regierung von ihrem 16-prozentigen Anteil trennen. Ob das Senderbüro in Buenos Aires weiterbestehen werde, müsse die Regierung in Caracas entscheiden, heißt es.

»Telesur kostet uns Geld und garantiert keinerlei Informationspluralismus«, twitterte Lombardi. Man habe keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Senders, klagte der Minister. Überraschend kommt die Entscheidung nicht. Seit Beginn seiner Amtszeit wettert der rechtskonservative Präsident Mauricio Macri gegen die venezolanische Regierung von Präsident Nicólas Maduro. Der Gescholtene hat auch schon reagiert. »Telesur wird auch weiter die wahre Meinungsfreiheit der Völker gegen den Angriff der Rechten verteidigen«, sagte Maduro. Sie würden es nicht schaffen, Telesur verschwinden zu lassen und sollte Argentinien den Sender verbieten, würden ihn Millionen über Internet sehen, so Maduro weiter.

Bei Telesur zeigte man sich überrascht. Man habe von der Entscheidung bisher nur aus den Medien und über Twitter erfahren, eine offizielle Eingabe liege bisher nicht vor. »Wir sind kein Sprachrohr der Regierungen«, wehrte sich der Sender auf seiner Internetseite und verwies zugleich auf seine Berichterstattung über die sozialen Proteste gegen die Politik der argentinischen Regierung. Auch in Argentinien hat die Ankündigung der Regierung, bei Telesur auszusteigen, erste Kritiken ausgelöst. Als Mitglied des Telesur-Beirats bezeichnete der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel das Vorgehen der Macri-Regierung als Zensur.

Unter dem Motto »Nuestro Norte es el Sur« (Unser Kompass zeigt nach Süden) versteht sich der Sender in erster Linie als Konkurrent zu den großen Nachrichtensendern aus den USA. Von der Programmstruktur her ähnelt Telesur anderen Nachrichtensendern, inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf Lateinamerika. Anders ist auch die Einschätzung der dargestellten Ereignisse und die Wortwahl, etwa in Bezug auf Guerillagruppen wie die kolumbianische Farc, die nicht als terroristisch bezeichnet werden. Die Reichweite von Telesur ist beschränkt. Zwar ist der Livestream des Senders via Internet zu sehen. In vielen Ländern Lateinamerikas ist das »Fernsehen des Südens« weder über Antenne, noch über Kabel zu empfangen. Zuschauerquoten sind nicht bekannt.

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