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Kampf um den Normalarbeitstag entbrannt

Unternehmerverband bringt Zehn-Stunden-Tag und Rente über 67 ins Spiel

Die zunehmende Digitalisierung bedeutet für viele Angestellte mehr Stress. Der DGB spricht sich deshalb für ein Recht aufs Ausklinken aus.

Geht es nach Ingo Kramer, ist der Acht-Stunden-Tag bald passé. »Es sollte zum Beispiel möglich sein, auch einmal über zehn Stunden hinaus zu arbeiten und den Ausgleich hierfür an anderen Tagen zu nehmen«, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Mit dieser Forderung nach mehr Flexibilisierung will der Lobbyist in den »Arbeitszeitdialog« von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gehen.

Bis Ende des Jahres will die SPD-Frau mit Unternehmensvertretern, Gewerkschaftern und Kirchenvertretern darüber diskutieren, wie die Zukunft der Arbeit auf Grund der zunehmenden Digitalisierung aussehen könnte. »Die Tätigkeiten und die Ansprüche sowohl der Arbeitgeber als auch der Beschäftigten ändern sich fundamental«, so Nahles kürzlich. Man brauche »einen neuen Flexibilitätskompromiss in der Tradition der Sozialen Marktwirtschaft, der neue Sicherheiten mit mehr Flexibilität für Betriebe und Beschäftigte zusammenbringt«.

Für die LINKE kommt eine Flexibilisierung im Sinne Kramers nicht in Frage. »Der Arbeitsalltag vieler Beschäftigter wird seit Jahren von steigendem Arbeitsdruck und Jobunsicherheit geprägt. Viele arbeiten jetzt schon in zwei oder drei Jobs und rund um die Uhr. Stress und Krankheiten nehmen zu«, so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag, Sabine Zimmermann, gegenüber »nd«. Die Forderungen der Arbeitgeber, mehr als zehn Stunden Arbeit täglich und mehr als 48 Stunden in der Woche zu legalisieren, liefen auf eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert hinaus.

Die meisten Angestellten wollen zwar flexibler arbeiten - aber nicht mehr, wie Kramer fordert, sondern weniger. So erklärten bei einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zwei Drittel der Befragten, die Vollzeit arbeiten, kürzer treten zu wollen. Gleichzeitig arbeiten 60 Prozent aller Beschäftigten regelmäßig länger als vereinbart.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach spricht sich deshalb für ein »Recht auf Log-Off« aus. »Jeder muss die Möglichkeit haben, sich aus der Arbeit auch wirklich in Freizeit auszuklinken«, sagte sie der dpa. Der Sozialverband SoVD warnt in einer Stellungnahme, dass die Digitalisierung »eine komplette Entgrenzung und Verdichtung von Arbeit bedeuten« könne, »die zu einer hohen psychischen Belastung führt«.

Doch die Unternehmen wollen nicht nur flexiblere Angestellte, sondern auch Mitarbeiter, die später in Rente gehen. »Das Arbeitsleben wird länger gehen müssen, sonst bricht am Ende das System zusammen«, so Kramer gegenüber der Funke Mediengruppe. »Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir irgendwann nicht mehr mit 67 Jahren in Rente gehen können.« Für die Arbeitsmarktexpertin Zimmermann ist dies jedoch nicht realistisch. Schließlich würden dies angesichts von steigendem Arbeitsdruck und Jobunsicherheit immer weniger schaffen.

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