Mauern durch die arabische Wüste

Saudi-Arabien und Kuwait befestigen ihre Grenzen zum unsicheren, instabilen Irak

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Grenzmauern kommen immer mehr in Mode: Im kommenden Jahr will auch Saudi-Arabien seine Grenze zu Irak durch einen gigantischen »Sicherheitszaun« versiegeln. 900 Kilometer lang soll das Bauwerk werden und schätzungsweise 12 Milliarden US-Dollar kosten, sagte der saudische Innenminister Prinz Naif.

Gegenüber der kuwaitischen Tageszeitung »Al-Anbaa« sprach der saudische Prinz Naif bin Abdul Asis von einem »Sicherheitszaun«, der voraussichtlich in fünf Jahren fertig sein werde und mit 135 Toren, Wachtürmen, Truppenunterkünften, Stacheldraht und hochsensiblen Sensoren ausgestattet werden soll. Das Ausschreibungsverfahren für den lukrativen Bauauftrag scheint nach Aussagen des Prinzen bereits abgeschlossen. Wer den Zuschlag bekommen hat, sagte er jedoch nicht. Das Projekt diene der Sicherheit Saudi-Arabiens, begründete Prinz Naif den Bau. So solle verhindert werden, dass Schmuggler, Drogen- und Menschenhändler bei Nacht heimlich über die Grenze kämen. Die Iraker seien so sehr in ihre Kämpfe untereinander verwickelt, dass sie die Sicherheit der gemeinsamen Grenze nicht gewährleisten könnten. Die saudische Regierung fürchtet auch, dass Kämpfe auf das eigene Territorium übergreifen könnten, vor allem, falls Irak auseinanderbrechen sollte. Regierungsberater Nawaf Obaid erklärte: »Wir haben das Gefühl, dass Irak außer Kontrolle gerät, ohne jede Möglichkeit, zu Stabilität zu finden. Es ist dringend notwendig, diese Grenze zu versiegeln.« Von Seiten der USA-Regierung war seit Anfang 2006 wiederholt die Aufforderung an Saudi-Arabien ergangen, die Grenze zu Irak besser abzusichern. Allerdings aus anderen Gründen, als sie der Prinz jetzt anführte. Die USA beklagten sich, Al Qaida und Gruppen des irakischen Widerstands würden aus Saudi-Arabien mit Kämpfern und Waffen versorgt, die nachts illegal über die Grenze einsickerten. In einem Bericht des USA-Militärs von April 2006 hieß es, Saudis gehörten zu den aktivsten Kämpfern gegen die Besatzungstruppen in Irak. Immerhin waren zwischen September 2005 und April 2006 neben 51 Syrern und 38 Ägyptern auch 23 Saudis im Zweistromland festgenommen worden. Nach USA-Angaben sind etwa 12 Prozent der rund 3000 ausländischen Terroristen in Irak Saudi-Araber - wie ihr Vorbild Osama Bin Laden. Durch stärkere Grenzbefestigung hoffen die USA überdies verhindern zu können, dass die kostbaren Ölfelder im Süden Iraks von Saudi-Arabien aus angegriffen werden. Traditionell werden die Grenzgebiete zwischen den Staaten der arabischen Halbinsel das ganze Jahr über von Nomaden und Viehhirten durchwandert. In den letzten Jahren werden die schwer kontrollierbaren Wüstengrenzen vor allem von Schmugglern genutzt, aber auch von irakischen Flüchtlingen, die aus ihrer vom Krieg verwüsteten Heimat fliehen. Auch Kuwait wird seine nördliche Grenze zu Irak weiter festigen. Schon Anfang 2004 hatte das Scheichtum angekündigt, für 28 Millionen US-Dollar einen rund 200 Kilometer langen Eisenzaun mit elektronischen Überwachungsanlagen zu bauen. Er soll von der irakischen Hafenstadt Um Kasr bis zum saudisch-kuwaitisch-irakischen Dreiländereck reichen. Wie die Saudis an ihrem Grenzwall wollen auch die Kuwaiter eine Straße entlang des Zauns bauen, um die Kontrolle mit Fahrzeugen zu erleichtern. Nach der irakischen Invasion in Kuwait (1990) und dem folgenden Krieg (1991) war unter Aufsicht der Vereinten Nationen zwischen den beiden Staaten eine 16 Kilometer breite entmilitarisierte Zone mit einem Trennzaun in der Mitte eingerichtet worden, die von UN-Truppen überwacht wurde. Zwei Wochen vor Beginn der USA-Invasion in Irak, am 7. März 2003, meldeten UN-Soldaten, dass der Trennzaun von kuwaitischer Seite an sieben Stellen, die sich für den Einfall von Militärfahrzeugen und Truppen besonders gut eigneten, durchschnitten worden war. US-Marines in ziviler Kleidung kundschafteten anschließend das Gelände in aller Ruhe aus, die Proteste der Vereinten Nationen verhallten ungehört. Nachdem sie aus dem UN-Hauptquartier in New York eine entsprechende Order erhalten hatten, zogen sich die UN-Soldaten schließlich »zu ihrem eigenen Schutz« aus der entmilitarisierten ...

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