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Tabakwerbung bald verboten

Drogenaffinitätsstudie: Jugendliche rauchen und trinken weniger

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mortler freut sich über sinkende Raucherzahlen. Cannabis als Arznei soll noch dieses Jahr legalisiert werden.

Noch nie haben Jugendliche so wenig geraucht wie im vergangenen Jahr. Am Mittwoch stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die aktuelle Drogenaffinitätsstudie vor. Für Mortler ebenfalls erfreulich: Auch der Alkoholkonsum junger Menschen sinkt kontinuierlich.

Nur noch 7,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen sind regelmäßige Raucher, vier von fünf hingegen rauchen nie. Das ist der niedrigste Stand seit den ersten Vergleichsstudien der Bundeszentrale in den 70er Jahren. Und, die im Jugendalter erzielten Erfolge setzen sich bei jungen Erwachsenen fort: Auch bei den 18- bis 25-Jährigen liegt die Raucherquote mit rund 26 Prozent auf einem historisch niedrigen Stand. »Rauchen gehört schon längst nicht mehr zum Lebensgefühl junger Menschen«, freut sich die Drogenbeauftragte Mortler.

Als Grund für die Entwicklung sieht sie die jahrelange Kampagnenarbeit, deren Erfolg sichtbar sei. Mortler betont, dass die Bundesregierung sich nicht auf diesen Erfolgen ausruhte. Zum 1. April wurden verpflichtende Bildwarnhinweise auf Zigarettenpackungen eingeführt, der nächste Schritt, ein Verbot von Tabakaußenwerbung, werde noch in diesem Jahr kommen. »Die Wissenschaft zeigt, dass Tabakwerbeplakate gerade junge Menschen ansprechen«, begründete Mortler das Verbot.

Auch beim Alkohol verkündete Mortler erfreuliches: Der Alkoholkonsum junger Menschen in Deutschland unterliegt einem langfristigen Wandel, der regelmäßige Alkoholkonsum geht besonders bei jungen Erwachsenen seit den 70er Jahren deutlich zurück. Im vergangenen Jahr tranken jeder zehnte Jugendliche und jeder dritte junge Erwachsene mindestens einmal in der Woche Alkohol, 1976 waren es mehr als doppelt so viele. Aber Mortler und die Leiterin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss, warnten vor dem nach wie vor verbreiteten Rauschtrinken. Bei den Männern zwischen 18 und 25 sind es fast 45 Prozent, die sich mindestens einmal im Monat gezielt betrinken, bei den Frauen ist es jede Dritte. Rauschtrinken definieren sie ab einem Alkoholblutpegel von 0,8 Promille. Auf ein Alkoholwerbeverbot angesprochen, antwortete die Drogenbeauftragte, dass es dazu keine Festlegungen im Koalitionsvertrag gibt. Dass sie ein solches Verbot auch Kraft ihres Amtes in die Debatte einbringen könne, konterte sie mit »Die Drogenbeauftragte hält sich an das, was im Koalitionsvertrag steht.« Allerdings beobachte sie intensiv die Alkoholwerbung in Onlinemedien und stellte fest, dass es dort viele Grenzfälle gibt, bei denen junge Menschen gezielt angesprochen werden.

Bei illegalen Drogen ist Cannabis nach wie vor das am meisten konsumierte Rauschmittel. Fast jeder zehnte Jugendliche und mehr als jeder dritte junge Erwachsene haben schon einmal gekifft, allerdings steige die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, nicht.

Die Drogenbeauftragte sprach sich klar gegen eine Legalisierung von Cannabis aus, wobei sie unterscheidet: »Wir brauchen einen differenzierten Ansatz: Cannabis in der Medizin ja, Cannabis zum Spaß nein!« Derzeit werde die legale Nutzung von Cannabis als Arznei vorbereitet und der Gesetzentwurf mit Ärzten und zuständigen Verbänden abgestimmt. Noch in diesem Jahr solle das Gesetz verabschiedet werden.

Andere Drogen spielen bei Jugendlichen fast keine und bei jungen Erwachsenen eine geringe Rolle. Mit Abstand zu Cannabis folgen Ecstasy und Amphetamine, die von vier Prozent der jungen Erwachsenen schon einmal konsumiert wurden. Crystal Meth, Heroin und Crack probierten weniger als ein Prozent.

Die Drogenaffinitätsstudien der Bundeszentrale werden seit 1973 in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Für die Untersuchung von 2015 wurden rund 7000 Menschen zwischen zwölf und 25 Jahren befragt. Die letzte Umfrage erfolgte 2011.

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