Wirrwarr um Hooligan-Aufmarsch

Magdeburg erwartet trotz fingierter Absage viele Neonazis und Gegendemonstranten

  • Von Max Zeising, Halle (Saale)
  • Lesedauer: 3 Min.

Es gehört dieser Tage zur Sprache der rechten Szene, sich als umsorgender Schutzpatron für besorgte Einheimische auszugeben. Das gilt für Veranstaltungen der AfD genauso wie für klassische Neonaziaufmärsche - und ist im Rahmen der angekündigten Demonstration von Hooligans in Magdeburg am Sonnabend nicht anders. »Sie lassen euch allein mit euren Sorgen«, ist auf einem Plakat zu lesen, das die Gruppierung »Gemeinsam-Stark Deutschland« auf ihre Facebook-Seite postete. Dazu stellte sie Bilder von Politikern - der verschleierten Angela Merkel, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel und so weiter. »Wir lassen euch nicht im Stich«, war darunter zu lesen.

Worte, die wirken, gerade jetzt, in der »Flüchtlingskrise« genannten Integrationskrise. Entsprechend gewarnt ist die Stadt Magdeburg vor dem Eintreffen zahlreicher Hooligans aus dem gesamten Bundesgebiet. 500 bis 1500 als Fußballfans getarnte Neonazis werden erwartet. Der den »Hooligans gegen Salafisten« nahestehende Verein »Gemeinsam-Stark Deutschland« (GSD) als Anmelder des Aufmarschs will vom Domplatz zum Hasselbachplatz und wieder zurück laufen, wählt also eine zentrale Route im Stadtzentrum.

Zwei Gegendemonstrationen sind angemeldet. Unter dem Motto »Keine Alternative« kündigten Antifaschisten nicht nur Widerspruch gegen den Hooligan-Aufmarsch, sondern auch »vielfältigen und entschlossenen Protest gegen den Einzug der AfD in den Landtag« an. 900 Teilnehmer werden erwartet. Ebenso viele Polizisten sollen zum Einsatz kommen. »Wir werden den Aufmarsch allerdings nicht blockieren, das ist zu gefährlich«, sagt Robert Fietzke vom antifaschistischen »BlockMD« dem »nd«. Denn: »Im Gegensatz zu Neonazi-Trauermärschen sind die Hooligans deutlich aggressiver, die Hemmschwelle zur Gewalt ist deutlich geringer. Es könnte ziemlich ungemütlich werden.«

Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Aufmarsch allerdings auch deshalb, weil er am Donnerstag zunächst abgeblasen worden war. Am Vormittag hatte es Polizeiangaben zufolge einen Anruf der mutmaßlichen Veranstaltungsleiterin gegeben, welche die Demonstration absagte. Im Verlaufe des Tages stellte sich allerdings heraus, dass die Absage offenkundig fingiert gewesen sei.

Am Freitag bestätigte die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord gegenüber »nd«, dass es sich bei dem Anruf um einen Fake handelte. Wer die Anruferin war, verriet sie nicht. »Ich weiß nicht, ob in diese Richtung schon ermittelt wurde«, sagte eine Sprecherin. Für die Hooligans war die Sache aber klar: »Die Antifa gab sich vor den Behörden als Anmelder aus und sagte die Demo ab«, schrieben sie in ihren sozialen Netzwerken.

Der Zeitpunkt des Aufmarsches ist indes nicht überraschend. Nach den Ausschreitungen bei der »Hooligans gegen Salafisten«-Demonstration in Köln 2014, als sich zwischen 3000 und 5000 Rechte Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, war es lange Zeit ruhig um die Szene geworden. Nach den Terroranschlägen von Brüssel werden die Hooligans nun wieder aktiver. Bereits Ende März kam es auf der Gedenkfeier für die Opfer des Islamischen Staates (IS) in der belgischen Hauptstadt zu einer Störaktion von 400 Hools.

Besonders im Osten Deutschlands hat die Bewegung viele Anhänger. Zahlreiche Fußballvereine - etwa Dynamo Dresden, Lok Leipzig und Hansa Rostock - haben gewaltbereite und gewalttätige Neonazis unter ihren Fans. »In Magdeburg gibt es eine intensive Vernetzung zwischen dem GSD-Ableger und Magida. Der Organisationskreis ist quasi derselbe«, sagt Robert Fietzke und führt weiter aus: »Bei solchen Demonstrationen werden sogar Feindseligkeiten zwischen den Vereinen beiseite geschoben.«

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