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Mit Förderung zur Ausbildung

Einige junge Flüchtlinge haben Plätze in Unterstützungsprogrammen bekommen

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Sprache, Arbeitswelt, Mentalität; in Deutschland ist für Flüchtlinge fast alles anders. Ein Programm macht sie fit für die Ausbildung.

»Ich würde gerne Zerspanungsmechaniker lernen, jetzt schaue ich mir es an«, sagt Alaa Ismail. Er ist 17 und stammt aus dem Libanon. Seit 15 Monaten ist er in Deutschland, ganz allein. Das Jugendamt hat ihn in einer betreuten Kreuzberger Wohngemeinschaft untergebracht. Er hat einen Platz in der sogenannten Einstiegsqualifikation (EQ) bekommen. Seit etwas über einem Monat macht er ein Praktikum beim Maschinenbauer »Tornado Antriebstechnik«. Das ursprünglich nur für deutsche benachteiligte Jugendliche gedachte Projekt wurde in Absprache zwischen dem Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie (VME) und der Gewerkschaft IG Metall auch für Flüchtlinge geöffnet. Es soll fit machen für eine reguläre Ausbildung.

Nun sitzt Ismail an diesem Freitagvormittag im Haus der Wirtschaft, unweit des Ernst-Reuter-Platzes an einem großen Konferenztisch und erzählt, auf Deutsch. Manchmal zögert er, sucht Worte. Vor lauter Journalisten und Verbandsvertretern zu sprechen, ist wohl für nur wenige 17-Jährige entspannt. »Bei Herrn Ismail ist eine direkte Affinität zu spüren gewesen«, sagt Tornado-Geschäftsführer Norbert Mensing. »Ich kann nach einem Monat sagen: Wir sind auf einem guten Weg!«. Mensing gerät regelrecht ins Schwärmen, darüber, wie sorgfältig und motiviert er arbeitet. er sei auch ein Vorbild für andere Lehrlinge, die Ismail wiederum nach Kräften unterstützen, so Mensing.

Der VME Berlin-Brandenburg übernimmt die Finanzierung von 100 EQ-Plätzen in der Region. 250 Euro pro Monat erhalten die Praktikanten dadurch, die auch am Berufsschulunterricht teilnehmen. Weitere 216 Euro kommen von der Arbeitsagentur. 24 Plätze bei sechs verschiedenen Unternehmen - bisher ausschließlich in Berlin - sind besetzt.

Janoud Al-Janoud stammt ursprünglich aus Syrien und ist seit bald zwei Jahren hier. »Ich habe ein Informatik-Fachabitur in Syrien gemacht, und in Syrien Computerhard- und -software betreut. Wenn alles klappt, will ich Automatisierungselektroniker werden«, sagt er in fast perfektem Deutsch. Er ist schon 29, aber bei seinem Pankower Praktikumsgeber, dem Anlagenbaukonzern ABB, hält man das für kein Ausbildungshindernis. »Ich wohne hier in einer WG mit drei Mädchen«, sagt Al-Janoud strahlend.

»Irgendwelche Vorurteile können wir nicht bestätigen«, sagt Gerd Woweries vom ABB-Ausbildunsgzentrum, wo drei Flüchtlinge die Qualifikation absolvieren. »Die sind alle sehr engagiert, haben eine gute Schulausbildung und Sprachkompetenz.« Sie höben sich von vielen deutschen Azubis positiv ab.

Unternehmen wollen aus verschiedenen Gründen Flüchtlinge in Ausbildung bringen. »Soziale Verantwortung zu zeigen, gehört bei ABB dazu«, nennt Woweries einen. »Die Ausbildungsfähigkeit einheimischer Bewerber ist aber auch mächtig nach unten gegangen«, nennt Mensing einen anderen Grund. Passende Bewerber seien ein Dauerthema in den Betrieben, bestätigt VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. »Über Erfolg oder Misserfolg der Integration entscheidet wesentlich, wie schnell es gelingt, die Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen«. Allein in Berlin gehe es schließlich um mehere Tausend Personen. In der Frage, ob dadurch das Fachkräfteproblem spürbar gelindert werden könnte, sei er eher zurückhaltend.

»Die Unternehmen erwarten von der Politik auch, dass Flüchtlinge nicht während oder nach der Ausbildung abgeschoben werden«,, sagt Gerd Woweries, obwohl ABB als internationaler Konzern selbst in diesem Fall noch berufliche Perspektiven geben könne. Die nächsten können mit den bestehenden Regelungen erst im Herbst besetzt werden. »Dann kriegen wir die 100 Plätze auch voll«, glaubt Amsinck.

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