Werbung

»Gegen die AfD hilft nur Aufklärung«

Berliner gründen neues Bündnis gegen Rassismus und soziale Spaltung - Interview mit einer Aktivistin

Unterstütze das nd mit einem monatlichen Beitrag

Minimum 2,50 Euro/Monat

...oder einem Abo oder einer Spende:

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Vielleicht später...
Doris Hammer engagiert sich seit 2009 in der LINKEN Neukölln gegen Hartz IV und hat das neue linke Bündnis »Soziales Berlin für alle – gegen Rassismus« mit gegründet. Am Samstag ruft das Bündnis zur Demonstration auf.

Sie haben das Bündnis »Soziales Berlin für alle - gegen Rassismus« vor einigen Wochen mit gegründet. Gibt es nicht genügend Bündnisse gegen rechts?
Natürlich gibt es jede Menge antifaschistische Demonstrationen in Berlin. »No Bärgida« etwa stellt sich jeden Montag Nazis entgegen, seit einem Jahr. Das ist wichtig, da bin ich immer mit dabei. Aber gegen soziale Missstände geht niemand mehr auf die Straße. Da demonstrieren mehr Menschen für den Tierschutz.

Und gegen Geflüchtete.
Leider richten viele Erwerbslose und Leute mit niedrigen Einkommen ihren Frust gegen die Neuankömmlinge. Sie denken, Geflüchtete würden ihnen das Wenige streitig machen, was ihnen bleibt.

Zum Beispiel die Nutzung von Turnhallen?
Die Leute regen sich darüber auf, dass sie keinen Sport mehr machen können, weil die Turnhallen als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Dabei gibt es genügend Leerstand in Berlin, um Flüchtlinge anders und besser unterzubringen. Massenunterkünfte dienen dazu, soziale Spaltung voran zu treiben und eine Stimmung der Krise zu erzeugen.

Sie meinen, der Senat erzeugt diese Stimmung bewusst?
Ich meine, dass die Regierung und der Senat die Krise in der Flüchtlingspolitik ausnutzen, um unliebsame Gesetze durchzuboxen.

Was für Gesetze sind das?
Auf Bundesebene vor allem Asylrechtsverschärfungen. Auf Berliner Ebene soll im Gegensatz dazu das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes, das mit dem Volksentscheid erkämpft wurde, ausgehebelt werden. Gegen den Willen von rund 750 000 Berlinern. Angeblich, um Flüchtlinge unterzubringen. Die Halle für die Unterkünfte steht jedoch an einer Stelle, für die eine Gesetzesänderung nicht nötig gewesen wäre.

Wie wirkt sich die massenhafte Unterbringung von Flüchtlingen auf die Stimmung in den Kiezen aus?
In Nordneukölln verändern die Flüchtlinge das Alltagsleben bisher kaum. Hier spürt man eher die massenhafte Ankunft des Mittelstandes. In meinem Haus war noch vor ein paar Jahren die Hälfte migrantischen Ursprungs, mittlerweile werden leere Wohnungen nicht einmal an studentische Wohngemeinschaften vermietet, sondern sie werden luxussaniert. Die Mietsteigerung ist rasant.

Es gibt also keine Interessenskonflikte zwischen Flüchtlingen und Erwerbslosen?
Es gibt schon Situationen, in denen gespalten wird. Ich war als Sozialberaterin in einer Besprechung zu Ein-Euro-Jobs, in der eine Mitarbeiterin vom Jobcenter sagte, sie müsse Geflüchtete ab jetzt vorrangig beschäftigen. Die Erwerbslosen haben wütend und abweisend gegen Flüchtlinge reagiert. So wird eine rassistische Stimmung aufgebaut. Rechtspopulisten ziehen daraus Gewinn.

Kann eine Demonstration, wie sie am Samstag geplant ist, der AfD wirklich etwas entgegen setzen?
Wir organisieren die Demo, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Gegen die AfD kann man nicht vorgehen, indem man ihre Stände umwirft oder versucht, sie mundtot zu machen. Das stärkt sie nur. Wir müssen uns mit ihrem Programm auseinander setzen, zeigen, dass sie keine Partei der kleinen Frau und des kleinen Mannes ist, auch wenn sie sich sozial gebärdet.

Die AfD fordert inzwischen mehr Mindestrente als die LINKE.
Sie fordert 1200 Euro Mindestrente, um sich von der linken, realistischen Forderung von 1050 Euro abzuheben. Das ist alles Wahlkampfgeplänkel. Wir müssen klar machen: Die AfD ist eine neoliberale Partei, die eiskalt Wirtschaftsinteressen dient. Dafür ist es wichtig, dass sich die LINKE als soziale Partei besser behauptet.

Wie kommt es, dass eine neoliberale Partei mit sozialen Themen besser punktet?
Die LINKE tritt nicht konsequent genug gegen Hartz IV, gegen prekäre Beschäftigung auf. Die Partei wird nicht als Vorkämpferin für soziale Rechte wahrgenommen.

Ist das nicht verständlich, nachdem sie im rot-roten Senat den sozialen Wohnungsbau privatisierte?
Es stimmt, dass die Partei in ihrer Regierungszeit einige Fehler gemacht hat. Sowohl die LINKE, als auch die SPD müssen sich wieder verstärkt für soziale Belange einsetzen. Im Parlament und auf der Straße, wie am Samstag. Nur so kann der AfD etwas entgegen gesetzt werden.

nd-Soliaktion 2017

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen