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Aufstand der Cineasten zu Konstanz

Bürgerinitiative will das Traditionskino Scala retten

  • Von Holger Reile, Konstanz
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit rund 60 Jahren steht das Scala-Kino mitten im Herzen der Stadt Konstanz für ein engagiertes Programm und zeigt meist anspruchsvolle Filme, die in großen Lichtspielhäusern kaum zu sehen sind. Mehrfach wurde das kleine Kino mit seinen insgesamt 400 Plätzen in drei Sälen für sein Qualitätsangebot ausgezeichnet, zuletzt 2014 vom Land und von der Bundesregierung. Doch die Konkurrenz auf dem heimischen Kinomarkt ist groß, denn gegen das kommerzielle Filmangebot des nahe gelegenen Cinestar kann das Scala wirtschaftlich auf Dauer nicht bestehen.

Und so scheinen die Tage für das nicht nur bei Konstanzern beliebte Kino mit dem nostalgischen Charme der 1950er Jahre gezählt: Ende 2016 soll hier Schluss sein, denn die Besitzer der Immobilie wollten den Pachtvertrag mit dem Kinobetreiber nicht mehr verlängern. Doch seit Ende 2015 klar wurde, dass die Kulturstätte einem dm-Drogeriemarkt - dem fünften in der Stadt - weichen soll, ist die Empörung groß. Die Kommerzialisierung der Innenstadt, so die allgemeine Kritik, schreite immer weiter voran und führe zur kulturellen Verödung in der größten Stadt am Bodensee.

Anfangs waren es nur wenige, die gegen das Ende des Scala protestierten. Auch die Konstanzer Stadtverwaltung, vorneweg Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU), hielt sich eher bedeckt. Das Ganze sei zwar bedauerlich, hieß es, aber da könne man leider nichts machen, und ein dm-Markt, so Burchardt, sei »doch auch was Schönes«. Doch Anfang Januar gründete sich die Bürgerinitiative »Rettet das Scala«. Man war sich schnell einig: Gegen den kulturellen Kahlschlag müsse man auf die Barrikaden gehen, denn ansonsten verkomme das Stadtzentrum völlig zur Spielwiese für profitorientierte Filialisten. Mittlerweile haben über 7000 BürgerInnen die Petition unterschrieben, die sich für den Erhalt des Scala einsetzt, und Woche für Woche ziehen Hunderte demonstrierend durch die Stadt, meist unter der Parole: »Lieber Kino statt Pampers«.

Viele KonstanzerInnen sind mit der Situation in ihrer Kommune unzufrieden. Vor allem ab Freitag wälzen sich Woche für Woche Autokarawanen aus der benachbarten Schweiz auf Konstanz zu, der günstige Frankenkurs macht die Stadt zum Einkaufsparadies für Schnäppchenjäger aus dem nahen Nachbarland.

Der Hartnäckigkeit der Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass das Thema Scala nun auch die Konstanzer Kommunalpolitik beschäftigt. Am Donnerstag wird der Gemeinderat darüber entscheiden, ob die Stadt für das Areal einen Bebauungsplan aufstellt, dazu eine Veränderungssperre erlässt und somit die dm-Pläne blockiert. Dagegen hat sich die Rathausspitze bislang vehement gewehrt, denn das käme ihrer Meinung nach lediglich einer Verhinderungsplanung gleich und könne zu hohen Schadensersatzforderungen gegenüber der Stadt führen.

Nun hat die Bürgerinitiative einen Joker aus dem Ärmel gezogen. Lange wurde ein neuer Kinobetreiber gesucht, jetzt hat man ihn. Gegenüber dem Konstanzer Internetmagazin seemoz hat Heinz Lochmann, ein umtriebiger Kinomacher, erklärt, er würde das Scala als Programmkino gerne erhalten und für einen nötigen Umbau auch Geld in die Hand nehmen. Lochmann ist einer der größten unabhängigen Kinobetreiber Deutschlands und hat sich bereits mehrmals als Kinoretter profiliert. Er sieht den Gemeinderat und auch den Oberbürgermeister in der Pflicht: »Die Politiker sind von den Bürgern gewählt und sollen in deren Interesse handeln«.

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