Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Aufstieg und Fall eines Champions

Yasmina Khadras neuer Roman führt in das Algerien der 1930er Jahre

Neben Navid Kermani ist der in Frankreich lebende Algerier Yasmina Khadra (eigentlich Mohammed Moudessehoul) vielleicht der bedeutendste Gegenwarts-autor, dessen Themen um den eskalierenden Nahostkonflikt kreisen. Seit der Jahrtausendwende legt er einen spannenden Roman nach dem anderen zu dieser Thematik vor. Seine Romanfiguren sind so tief und aussichtslos in die Konflikte zwischen Orient und Okzident, westlicher und muslimisch geprägter Welt verstrickt, dass sie alle an ihren Wunden sterben - und mit ihnen ihre Freunde, ihre Lieben, ihre »Engel«, wie der Titel des neuen Romans sagt. Sie geraten unter die Herrschaft der Taliban (»Die Schwalben von Kabul«), in die Hände des Dschihad (»Die Sirenen von Bagdad«) oder sprengen sich selbst in die Luft (»Die Attentäterin«). »Hoffnung? Beschiss!«, heißt es hier, »es gibt zwei Arten von Hoffnung: Die eine hängt vom Ehrgeiz ab, die andere setzt auf Wunder. Die eine kann noch so lange rennen, die andere noch so lange warten - am Ende steht immer der Tod.«

Das Buch spielt in den 1930er, 1940er Jahren. Zeitlich und inhaltlich ist es Khadras Roman »Die Schuld des Tages an die Nacht« ähnlich und nicht zufällig durch den Handlungsort, die algerische Küstenstadt Oran, Albert Camus verpflichtet. Diese mondäne, französisch geprägte Stadt mit ihrem Luxus, den Bordellen und sportlichen Massenvergnügungen, Jahrmärkten, Varietés und schönen Frauen, ist durch die sozialen Gegensätze, rassistische Vorurteile und Korruption »verpestet«.

Das Buch handelt von Aufstieg und Fall eines jungen Muslim, der, aus bitterer Armut gekommen, zum Box-Champion wird und, die Höhe des Ruhmes fast erklommen, abstürzt und im Gefängnis landet. Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung lässt er sein Leben Revue passieren. In einem elenden Nest aufgewachsen, hatte sich der Junge nach seinem Herkunftsort »Turambo« genannt und damit die Hoffnung auf ein besseres Leben, Stolz und Unabhängigkeit verbunden Bei Gelegenheitsjobs bezieht er immer nur Prügel. Doch dann gerät er in die Hände eines Trainers, der nach einem hoffnungsvollen Boxer für seinen heruntergekommenen Ring sucht und Turambos Kraft und Talent für diesen harten Sport erkennt. Hinter dem steht allerdings auch noch ein reicher, skrupelloser Europäer. Turambos Aufstieg führt zu immer härteren Kämpfen, Siegen und schönen Frauen und zu seiner großen Liebe, der Französin Irene. Als ihm klar wird, wie es enden muss, ist es für einen Neuanfang zu spät. Was bleibt von ihm selbst? »Eine Handvoll Sand im Wind.« Gleicht ihm darin nicht auch der einst so große Muammar al-Gadaffi, dessen letzte Nacht der Autor beschrieben hat? Wer hoch steigt, fällt tief - vielleicht eine aus dem Islam gewonnene Weisheit des Autors.

Yasmina: Khadra: Die Engel sterben an unseren Wunden. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Ullstein. 282 S., geb., 22 €.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln