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Meterhohe Trümmerberge

Die ecuadorianische Stadt Pedernales wurde durch das Erdbeben verwüstet

  • Von Johannes Süßmann, Pedernales
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kein Wasser, kein Strom, kaum Essen: Die ecuadorianische Küstenstadt Pedernales lag im Epizentrum des Erdbebens. Mehr als 150 Menschen starben dort.

Noch vor drei Tagen standen zwei sechsgeschossige Hotels im Zentrum von Pedernales. Nun türmen sich meterhoch Trümmer auf. Wie viele Menschen unter dem gigantischen Schuttberg begraben liegen, weiß niemand.

Neben den Trümmern steht Carlos Alfredo. Der 23-Jährige hatte großes Glück. Als die Erde am Samstagabend in der 50 000-Einwohner-Stadt an Ecuadors Pazifikküste zu beben begann, war er mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter im Haus. Zuerst fiel der Strom aus. «Wir sind dann mit einer Taschenlampe die Treppe runtergestiegen und auf die Straße», berichtet Carlos. Wenig später fiel das Haus in sich zusammen. Schätzungen zufolge sind zwischen 50 und 80 Prozent aller Gebäude zerstört.

Nun lebt die kleine Familie auf der Straße. «Es gibt nichts zu essen», klagt Carlos. Noch immer ist Pedernales ohne Wasser und weitgehend ohne Strom, überall dröhnen Dieselgeneratoren. Um wieder arbeiten zu können, will Carlos nun so bald wie möglich in die Hauptstadt Quito ziehen.

60 Stunden nach dem Beben der Stärke 7,8 gleicht Pedernales einer Ruinenstadt. Halb eingestürzte Häuser reihen sich an riesige Schutthaufen und Berge stinkender Lebensmittel, die bei Temperaturen über 30 Grad schnell verderben. Darunter mischt sich Verwesungsgeruch. Viele tragen Mundschutz. Eine Frau fischt verstaubte Kleidungsstücke aus den Trümmern ihres Hauses. «Wir können hier nicht weg», schluchzt sie. «Wo sollen wir denn hin?»

Die Regierung koordiniert die Hilfsaktionen vom Fußballstadion aus. Hier können sich Angehörige über Vermisste informieren. Decken, Wasserkanister, Toilettenpapier stapeln sich meterhoch. Vor einer Tribüne lagern Särge. Davor steht das Zelt von Fabián Fuel, der mit rund 1300 Soldaten in Pedernales Katastrophenhilfe leistet. Seine Bilanz bis Dienstag: 155 Tote, 32 Vermisste, 1693 Verletzte, unzählige Obdachlose. In ganz Ecuador stieg die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf 525. «Wir hoffen, noch Überlebende zu finden», sagt Marcelo Ledezma von einer Rettungseinheit aus Zentral-Ecuador. Internationale Hilfe sei bislang u. a. aus Mexiko, Venezuela und Kolumbien eingetroffen. «Das scheint hier ganz gut organisiert zu sein», sagt Volker Sitta, einer von drei Einsatzkräften der Humanitären Hilfe der Schweiz.

Die Spendenbereitschaft im Land ist hoch. Schon am Morgen nach dem Beben begannen Behörden und Privatinitiativen Decken und Lebensmittel zu sammeln und an die Küste zu schicken. Größtes Problem dabei sind durch das Erdbeben beschädigte oder verschüttete Straßen. Regenfälle lösen immer wieder Erdrutsche aus.

Ganze Karawanen von Pick-Ups verlassen die Stadt, beladen mit Möbeln, Gasflaschen, Plastikstühlen. «Pedernales wird leer sein», glaubt der 73-jährige Fischer Gabriel Velásquez. «Alle gehen sie, weil sie Angst haben, dass das Beben wiederkommt. Er lebt seit über 40 Jahren hier. Sein Haus ist zerstört, er schläft am Strand in seinem Boot. Wie es weitergehen soll? »Vieles kommt auf die Hilfe an, die sie uns schicken. Ich hoffe, dass uns andere Länder die Hand reichen.« Angst hat er keine. »Wir leben nun mal hier.«

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