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IS-Miliz in Offensive

Dschihadisten rücken in Provinzstadt Deir Essor ein

Von Waffenruhe kann in Syrien immer weniger die Rede sein. Jetzt will auch Dänemark in Syrien militärisch aktiv werden.

Beirut. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach inoffiziellen Angaben einen Stadtteil der bisher von der syrischen Regierung gehaltenen Stadt Deir Essor unter ihre Kontrolle gebracht. Seit Dienstagabend sei das Viertel Al-Sinaa in den Händen des IS, von dort aus setze die Miliz ihren Vormarsch auf den von der Armee kontrollierten Flughafen fort, berichteten Exilsyrer am Mittwoch über ihre Websites.

Der IS kontrolliert seit dem Jahr 2014 die östliche Provinz Deir Essor, nicht aber vollständig die gleichnamige Hauptstadt. Mehr als 200 000 Menschen sind in der von IS-Kämpfern belagerten Stadt eingeschlossen. Im Januar eroberte die Miliz einen Vorort der Stadt, seitdem versucht sie weiter vorzudringen.

In Syrien gilt seit Ende Februar offiziell eine Waffenruhe, von der jedoch die Bekämpfung des IS oder der Nusra-Front ausgenommen ist. Seit einigen Tagen gibt es auch Kämpfe in der nordsyrischen Region von Aleppo. Dort soll die syrische die syrische Luftwaffe den von Rebellen gehaltenen östlichen Stadtteil Salaheddin angegriffen haben. Die Wirtschaftsmetropole Aleppo ist seit 2012 geteilt: Die westlichen Viertel werden von der Führung in Damaskus, die östlichen Stadtteile von Rebellengruppen gehalten. Wegen der anhaltenden Angriffe vor allem auf Aleppo haben die syrischen Oppositionsvertreter inzwischen die Friedensverhandlungen in Genf formell ausgesetzt.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warf den Oppositionsvertretern ein »launisches« Verhalten vor. Lawrow sagte in Moskau, die Verhandlungen in Genf seien »nicht auf Eis gelegt«, auch wenn Oppositionsvertreter abgereist seien. Es gebe »Hauptdarsteller auf der internationalen Bühne«, die davon träumten, Präsident Baschar al-Assad Assad mit Gewalt zu stürzen. Es scheine ihm, das Frankreich und die USA nichts von diesen Versuchen hielten, sagte er bei einer Pressekonferenz mit dem französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault.

Dänemark weitet sein Engagement im Kampf gegen den IS auf Syrien aus. Im Parlament in Kopenhagen stimmten am Dienstagabend 90 Abgeordnete dafür, 19 Abgeordnete votierten dagegen. Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen hatte die Zusage im vergangenen Monat gemacht. Ab Mitte des Jahres stellt Dänemark damit für die internationale Koalition in Irak und Syrien sieben Kampfflugzeuge, eine Transportmaschine und 400 Soldaten. Die USA fliegen seit Sommer 2014 Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Ziele in Irak und Syrien. An der internationalen Koalition sind auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande beteiligt. AFP/nd

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