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Salmans Rosenoffensive in Riad

Obama umworbener, aber kühl bleibender Gast des Golfkooperationsrates

Am zweiten Tag seiner Reise in den Nahen Osten ist US-Präsident Obama mit den Staatschefs der arabischen Golfländer zusammengekommen. Es dürfte kein herzliches Einvernehmen gewesen sein.

Die Länder des Golfkooperationsrates (GCC) hatten sich zum ersten Mal den Chef eines Nichtmitgliedslandes zu ihrer Jahrestagung eingeladen: Barack Obama. Der US-Präsident erklärte, er fühle sich darob aufs höchste geehrt. Doch die politischen Beobachter der Region wissen, dass es am Donnerstag weniger um den Austausch von Höflichkeiten gegangen sein dürfte. Der exklusive Klub der sechs Ölmonarchen hatte und hat Beschwerdebedarf. Man kann diesen sogar auf ein Wort bringen: Iran.

Damit ist man wieder beim Gründungskonsens aus dem Jahre 1981 angelangt. Damals hatte gerade die iranische Revolution stattgefunden. Schah Reza Pahlevi, der bis dato mächtigste Monarch der Region, war trotz Stützung durch die USA bis zuletzt, gestürzt worden und außer Landes geflohen. Auch die Golfkönige sorgten sich. Dazu kam, dass in unmittelbarer Nachbarschaft die Erde brannte: Irak wollte die vermeintliche Schwäche Irans nutzen, um seinen Staat mindestens um die südwestliche iranische Provinz Khusistan zu vergrößern und hatte 1980 einen Krieg gegen Teheran vom Zaune gebrochen. Man sah auf der Halbinsel folglich Handlungsbedarf und schloss sich zum GCC zusammen.

Aktuell stand das Thema Iran wieder auf der Tagesordnung. Die Gründe sind aber wohl allein bei Saudi-Arabien zu suchen. Riad hat seine jahrzehntelange außenpolitische Passivität unter dem vorigen König Abdullah und noch mehr dem seit 2015 regierenden Herrscher Salman abgelegt zugunsten einer aggressiven Strategie zur Erlangung der Vormachtstellung in der Region. Dies äußert sich in der mittelbaren Kriegsteilnahme in Syrien wie im direkten Krieg gegen Jemen. Als Hauptkonkurrenten im Mittleren Osten betrachtet man in Riad Iran, wo der Schiismus seit drei Jahrzehnten Staatsreligion ist, jene weltweit zweitstärkste Ausprägung des Islam, die von den Herrschern auf der Halbinsel als Ketzerei betrachtet wird.

Obama allerdings hat sich trotz heftigster Anfeindungen aus Israel, und - eng damit zusammenhängend - dem eigenen Land, die freilich aus ganz anderen Motiven erfolgten, nicht auf einen Anti-Iran-Kurs drängen lassen. Die USA stehen vor einem Scherbenhaufen verfehlter Mittelostpolitik der Obama-Vorgänger. Nicht der kleinste Teil davon ist ist die Iran-Politik von Ronald Reagan bis George Bush jun. Der Teil der US-Politik, der Obama nahesteht, verspricht sich aber wesentlich mehr von einer Annäherung an Teheran als von Dauerkonfrontation, die unterm Strich erfolglos war.

Die »Gefahr«, die die sechs GCC-Staaten Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate von Iran ausgehen sehen, teilte Obama am Donnerstag wohl deshalb allenfalls verbal. Am Ende hieß es: Die USA wollen trotz massiver Bedenken ihrer arabischen Verbündeten am Golf an einem Dialog mit dem Iran festhalten. So zitierte dpa den stellvertretenden Sicherheitsberater von Obama, Ben Rhodes. Man teile die Sorgen, wolle aber an den Kontakten zu Iran festhalten, wo man Gelegenheit zu Fortschritten sähe.

Besonders die Saudis werden enttäuscht und wütend darüber sein. Mehr bleibt ihnen aber nicht; ahnen sie doch: Verlässt das US-Militär die Halbinsel, kann es um ihr Königshaus schnell geschehen sein.

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