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Herkules war die Nummer Zwei

Erste Sandsteinfiguren wurden am Dienstag auf das Landtagsschloss gehievt

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Potsdamer Landtag ist äußerlich dem alten Stadtschloss nachgebildet. Acht Figuren sind bislang restauriert.

Am Potsdamer Landtagsschloss soll sich der Eindruck vervollständigen, das Gebäude sei das einstige Stadtschloss der Hohenzollern. Gestern gelangten die ersten sogenannten Attikafiguren wieder auf das Dach.

Es ist der »an einen Baumstamm gelehnte Jüngling«, welcher am Dienstag die Ehre hatte, als erste Sandsteinfigur über dem Gebäude im Potsdamer Zentrum aufgestellt zu werden. Er war im Depot als einzige Figur vollständig erhalten. Seine Restaurierung kostete 10 200 Euro. Ihm folgte am Nachmittag Herkules, der künftig die Spitze des westlichen Giebels ziert und der nur »relativ gut« erhalten war, wie der Verein Potsdamer Stadtschloss verkündete. Kopf, rechter Unterarm und linke Hand von Herkules mussten erneuert werden. Das kostete 25 000 Euro. Nach Vereinsangaben sind bereits acht Figuren restauriert - für etwa 300 000 Euro aus eigens gesammelten Spendengeldern.

Herkules und der Jüngling waren vom Bildhauer Johann Gottlieb Heymüller im Jahr 1751 geschaffen worden. Gemäß Parlamentsbeschlüssen aus den Jahren 2005 und 2008 wurden und werden für die Anfertigung und Aufstellung des Figurenschmucks keine öffentlichen Mittel verwendet.

Vor acht Jahren entspann sich in der Sache auch ein Tauziehen zwischen Potsdam und Berlin. Denn Potsdam schielte auf die Sandsteinfiguren, die heute auf dem Hauptgebäude der Berliner Humboldt-Universität auf dem Boulevard Unter den Linden stehen. Das sind Figuren, die einst auf dem Potsdamer Stadtschloss standen, die aber vom Dach genommen, gesichert, restauriert und schließlich nach Ostberlin gebracht worden sind, als das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Schloss abgetragen wurde. Diese Figuren konnte sich das Land Brandenburg durchaus auf dem Dach des neuen Landtags vorstellen. Das Finanzministerium hatte in einem Gutachten ermittelt, dass sie eigentlich nur »Leihgaben« an Berlin gewesen seien. Ihre Rückführung wurde von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten juristisch geprüft, von Berlin indessen abgelehnt.

Einst krönten 76 Attikaskulpturen das Stadtschloss. Selbst wenn alle noch vorhandenen Figuren aus Berlin wieder nach Potsdam gebracht würden, so blieben doch immer noch viele Postamente leer, zumindest solange sich keine Gönner finden, die Nachbildungen der alten Figuren bezahlen.

Von der öffentlichen Hand finanziert wurden die vorhandenen Tympanonreliefs an den Kopfbauten sowie die Nachbildung von Fratzenköpfen und Wappenkartuschen am Corps de Logis und zwar mit der Begründung, sie seien als Schmuckelemente konstruktive Bestandteile der Fassade. Um das Fortunaportal, das zuerst wieder aufgebaut wurde, hatte sich der Fernsehmoderator Günther Jauch gekümmert.

Vor anderthalb Jahren wurde die Drachentrophäe als dritte große Skulptur auf das Fortunaportal gesetzt. Finanziert wurde sie vom gebürtigen Potsdamer Hans-Jürgen Zippel, der dem Potsdamer Stadtschloss e.V. für die Drachentrophäe vom Kuppelgeschoss 60 000 Euro spendete. Der Mäzen hat die Vollendung des Werkes allerdings nicht mehr erlebt.

Indessen steht an der Fassade des Landtags nach einem Entwurf der Künstlerin Annette Paul ein goldener Schriftzug in französischer Sprache. Er besagt - und behauptet - unverdrossen und entgegen dem äußeren Eindruck: »Ceci n'est pas un chateau« (zu deutsch: »Dies ist kein Schloss«).

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