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Neuer Prozess gegen Kapitän Schettino

Der Schiffsführer der havarierten »Costa Concordia« hofft auf Milde, die Staatsanwaltschaft auf eine höhere Strafe als die verhängten 16 Jahre

  • Von Giovanni Grezzi, Florenz
  • Lesedauer: 2 Min.
Noch ist der Kapitän der havarierten »Costa Concordia« auf freiem Fuß. Er hofft, in der Berufung das Urteil der ersten Instanz umzukehren. Die Staatsanwälte werden auf eine langjährige Strafe pochen.

Mehr als vier Jahre nach der Havarie der »Costa Concordia« hat in Florenz der Berufungsprozess begonnen. Die Anwälte des zu langer Haft verurteilten Kapitäns Francesco Schettino verlangen eine Überprüfung der Verantwortlichkeiten für das Kentern des Kreuzfahrtschiffes und einen Freispruch ihres Mandanten. Bei dem Unglück im Januar 2012 vor der Küste Italiens waren 32 Menschen ertrunken, unter ihnen zwölf Deutsche.

Schettino war im Februar 2015 in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Für die Dauer des Berufungsverfahrens bleibt er auf freiem Fuß. Der 55-Jährige wehrt sich gegen das Hafturteil mit dem Argument, er sei als Einziger für das Unglück verantwortlich gemacht worden.

»Wir verlangen, dass die Verantwortlichkeiten aller Protagonisten in dieser Angelegenheit neu definiert werden, und nicht nur die unseres Klienten«, sagte Donato Laino, einer der beiden Anwälte Schettinos, am Donnerstag. Auch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, sie fordert die Höchststrafe von 26 Jahren Haft. »Der Gerechtigkeit wird langsam Genüge getan, aber etwas Wichtiges fehlt auf der Anklagebank: Das Unternehmen, das hinter Schettinos Taten steht«, sagte der Anwalt der Nebenklage, Massimiliano Gabrielli, bei der Ankunft im Gericht. Die Frage der Verantwortung müsse weiter gefasst werden, »vor allem was (das Kreuzfahrtunternehmen) Costa Crociere angeht«, sagte er. Zudem forderten Überlebende eine höhere Entschädigung durch das Unternehmen.

In den Medien wurde Schettino »Kapitän Feigling« genannt, weil er als einer der ersten das havarierte Schiff verließ. Er hatte angegeben, von Bord gefallen und zufällig in einem Rettungsboot gelandet zu sein, und erntete dafür Hohn und Spott. In dem 19 Monate dauernden ersten Prozess war Schettino vorgeworfen worden, aus Angeberei mit dem Schiff zu nah an die Insel herangefahren zu sein. Zudem sei er durch die Unterhaltung mit einer Nachtclub-Tänzerin abgelenkt gewesen.

Bei dem Berufungsprozess will Schettino nicht persönlich vor Gericht erscheinen, um sich nicht erneut dem Medienrummel auszusetzen. Allein für den Monat Mai sind in Florenz elf Anhörungen angesetzt. Die »Costa Concordia« war am 13. Januar 2012 mit 4229 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der Insel Giglio aufgelaufen. AFP/nd

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