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Gewerkschaft in Gründung

Neue Initiative an der Uni Frankfurt stellte sich vor

In Frankfurt am Main trat vorige Woche die Gewerkschaftsinitiative »unter_bau« an die Öffentlichkeit. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss Hochschulangehöriger, die den Aufbau einer alternativen Hochschulgewerkschaft für die Region vorbereiten.

Im vorläufigen Programm der Initiative werden Missstände an der Goethe-Universität Frankfurt an Main benannt, die die Gewerkschaft angehen möchte - etwa das Outsourcing von Dienstleistungen und Personal, die fehlende tarifliche Absicherung der Hilfskräfte sowie die Prekarisierung des wissenschaftlichen Personals durch Befristungen.

Anna Yeliz Schentke, Sprecherin des »unter_bau«, ist optimistisch, was die Resonanz an der Uni angeht: »Auf der ersten öffentlichen Vollversammlung waren VerterInnen nahezu sämtlicher Statusgruppen, von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen über Studierende bis zu Administrativ-Technischem-Personal vertreten.« In ihrem Programm hat die Initiative das Lehren, Lernen, Forschen sowie die verschiedenen Verwaltungs- und Infrastrukturstellen als die vier zentralen Punkte des Hochschulbetriebes benannt, deren Angehörigen sie eine gemeinsame Organisierungsplattform bieten möchte. Lediglich die ProfersorInnenschaft ist davon ausgenommen.

Gerade der Ansatz der statusübergreifenden Solidarität sei es, der die Initiative ebenfalls für diejenigen attraktiv machen könne, die sich bisher vom Angebot der etablierten Gewerkschaften wenig angesprochen fühlten, meint Matthias Huffer, Mitglied des Sekretariats des »unter_bau«.

Gleichwohl handele es sich bei der Initiative keineswegs um eine Konkurrenz zur Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wie Schentke betont: »Wir verstehen uns viel mehr als einen Schrittmacher hin zu mehr Gewerkschaftspluralismus«, wie er beispielsweise auch in anderen europäischen Staaten üblich sei. »Wir hoffen, als positives Signal seitens der etablierten Gewerkschaften wahrgenommen zu werden, nicht als ein Versuch der Spaltung«, so Schentke weiter. Auch die GEW selbst bleibt gelassen. Die Gefahr, dass sich aus der Initiative eine Spartengewerkschaft entwickeln könnte, sehe man nicht.

Die Idee zur Gründung einer Gewerkschaft sei auch vor dem Hintergrund des Verhaltens des Frankfurter Unipräsidiums, das den einzigen Arbeitskampf an der Goethe-Universität der vergangenen Jahre schlichtweg auflaufen ließ, entstanden. Bei der Auseinandersetzung um die Aufnahme der wissenschaftlichen Hilfskräfte in den Haustarifvertrag 2015 habe sich gezeigt, dass »wir mehr Druckpunkte zur Durchsetzung unserer Forderungen benötigen«, sagt Huffer rückblickend. Dies könne sich mit Konstituierung der Initiative, die als nächsten Schritt für diesen Sommer einen Gründungskongress angekündigt hat, ändern. »Wenn man sich ansieht, wie viele Leute an der Hochschule gewerkschaftlich organisiert sind, erscheint es nicht als utopisch zu behaupten, dass wir unser mittelfristiges Ziel, Tariffähigkeit zu erlangen, in absehbarer Zeit erreicht haben werden«, so Schentke.

Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Universität, kennt zwar das Problem der befristeten Stellen, sieht dies allerdings in der mangelnden Grundfinanzierung der Hochschulen insgesamt begründet, es handele sich dabei um kein »Frankfurt-Spezifikum«. Zum rechtlichen Status der Initiative werde die Universität vorerst keine Stellungnahme abgeben, »da bisher keine Grundlage für eine solche Bewertung« bestehe.

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